Pistenschutz oder Umweltschutz

von Mag. Christian Sec

Pitztal_Bauarbeiten am Gletscher_August2019 ©WWF_VincentSufiyan7

Der Wettbewerb unter den Skigebieten ist groß. Ökonomischer Druck veranlasst viele Skigebiete ihr Pistenangebot zu erweitern. Meist mit verheerenden Eingriffen in die Natur. Den Versicherern kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Verweigern sie den Raubbau an der Natur wäre das das Ende der Gigantomanie.
In Tirol sind gerade zwei Großprojekte in Planung. Die Zusammenführung der Skigebiete Hochoetz und Kühtai sieht den Bau von fünf Liften, mehreren Pisten und einer Talabfahrt vor. Das größte Projekt ist jedoch die Zusammenlegung der Skigebiete des Pitztaler- mit dem Ötztaler Gletscher, welches damit zum größten zusammenhängenden Gletscherskigebiet Europas werden soll. Mit zusätzlichen 64 Hektar an Skipisten sollen die Lifte im Ötztal mit jenen im Pitztal verbunden werden. Wirtschaftliche Interessen vs. Schutz der Natur wird zum Lagerkampf. Während eine Online-Petition gegen die „Gletscherehe“ bislang 45.000 Unterschriften sammeln konnte, erhofft sich die Initiative „Lebensraum Pitztal“ durch das Megaprojekt wirtschaftlichen Aufschwung. In einem offenen Brief an die „grüne“ Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe erklären die Befürworter des Projekts, dass die infrastrukturelle Weiterentwicklung der Gletscherbahn eng verbunden ist mit der Weiterentwicklung der ganzen Region. Alpenverein, Naturfreunde und der WWF wiederum warnen jedoch davor, dass für die Gletscher-Ehe 750.000 Kubikmeter Gestein, Erde und Eis gesprengt werden müssten und fordern den Stopp des Projekts sowie rechtlich verbindliche Ausbaugrenzen für Skigebiete und einen Gletscherschutz ohne Ausnahmen. Aber nicht nur in der Zivilgesellschaft herrscht ob des Themas Konfliktpotenzial, sondern auch die Landesregierung bestehend aus Grüne und ÖVP ist sich uneins. Während die ÖVP sich für das 130 Millionen Euro-Projekt ausspricht, hadern die Grünen.

Was Versicherer machen können

Mittlerweile können sich auch die privaten Unternehmen können dem Interessenskonflikt ökonomischer Interessen und ökologischer Verantwortung nicht entziehen. Speziell bei solchen Megaprojekten kommt den Versicherungen eine herausragende Rolle zu. Als Schlüsselbranche könnte sie im Schulterschluss solche Megaprojekte sehr einfach zum Stoppen bringen. Jedenfalls kann man auch die ökologische Verantwortung der Assekuranzen nicht wegleugnen, wie auch Josef Schrank von WWF Österreich weiß: „Es liegt im Ermessen der jeweiligen Versicherung, keine Risiken zu übernehmen und somit Projekte wie den Pitztal-Ötztal-Zusammenschluss nicht zu unterstützen.“ Aber was sagen die Versicherer zur Frage, ob sie nun solche Projekte unterstützen würden. Für die meisten angefragten Institute scheint diese Frage ein zu heißes Eisen zu sein. Einzig Christoph Marek, Vorstand des Ressorts Versicherungstechnik der Allianz Gruppe war diesbezüglich eine essenzielle Aussage zu entlocken. Zwar vertraue man auf die prüfenden Institutionen im Zuge einer Umweltverträglichkeitsprüfung, unterstütze aber nicht jedes Projekt mit positivem Bescheid, erklärt der Allianz-Manager. „Dabei kommt es natürlich auch auf die risikotechnischen Umstände des Einzelfalles an und es muss mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie konform gehen“, so Marek. Ein Schulterschluss der Branche gegen ein bestimmtes Projekt komme für ihn dabei nicht in Frage. „Es sei nicht die Aufgabe der Branche Umweltpolitik zu betreiben, sondern jedes Unternehmen habe die Verantwortung seinen eigenen ökologischen Fußabdruck festzulegen und damit mit gutem Beispiel voranzugehen“, so Marek. Gerade die Allianz hat sich in einer Vereinbarung mit dem WWF Österreich zu messbaren Nachhaltigkeitszielen für das Portfolio und ihrer Investmentstrategie verpflichtet. Auf die Frage, ob daher eine Ablehnung des WWF für ein Projekt wie das des Zusammenschlusses Ötztal-Pitztal Einfluss auf die Entscheidung der Allianz hätte, antwortet Marek diplomatisch: „Eine eventuelle Ablehnung des WWF würden wir selbstverständlich bei der Entscheidungsfindung berücksichtigen.“ Auch für die Wiener Städtische gilt: Eine behördliche Genehmigung ist Voraussetzung für etwaige Versicherungen, und die Wiener Städtische behält sich vor, jegliche Projekte auch internen eigenen Prüfungen zu unterziehen. „Weiters müssen Projekte die Richtlinien und Bedingungen der Versicherung erfüllen.“