PRO und KONTRA DAUERRABATT

von KommR Rudolf Mittendorfer

KommR Rudolf Mittendorfer ©Verag

In den vergangenen Monaten und Wochen wurde aus einer (von vielen) OGH-Entscheidungen zum Dauerrabatt (DR) eine intensive Diskussion, die sich bislang ausschließlich an der Art der Berechnung bzw. dem damit verbundenen Aufwand und Ärger entzündet hat.
Es gab viel Kritik am Dauerrabatt bis zu lauter werdenden „Rufen“, diesen ganz abzuschaffen.
Von einer differenzierten Betrachtung bzw. von Pro-Dauerrabatt-Argumenten war bisher nichts zu hören und zu lesen, wie mir etliche Kolleginnen und Kollegen geklagt haben, die eine konträre Meinung haben, diese aber nicht „laut“ vertreten wollen.

Vorweg: Zunächst einmal ist es ausschließlich Sache der Versicherer, welche Tarife sie anbieten. Die haben natürlich die eigenen Interessen, jene Ihres Außendienstes und Ihrer Agenten im Auge (zu haben).
Dazu möchte ich mich aus meiner Maklersicht gar nicht einmengen.
Wenn es um Fremdverträge geht und wir den DR prüfen sollen, dann ist es eine Frage des knowhows und der allfälligen Kosten, dies zu tun. Findet sich keine Lösung und man ist vom eigenen Standpunkt überzeugt, dann gibt es das Gericht – wie so oft.
Wenn es um eigene Verträge geht, dann entscheidet nach meinem Dafürhalten bei intakten Beziehungen immer der Makler, wie zu verfahren ist. Gerade heute habe ich dazu die Bestätigung einer Maklerbetreuerin erhalten, die ich der Kundin als „meinen Erfolg“ präsentieren kann.
Warum also sollte man sich bemühen, dieses Instrument, welches die jeweilige Professionalität dokumentieren kann, abschaffen zu wollen?
Wenn mir der DR einer Gesellschaft nicht gefällt – wer zwingt mich, dieses Produkt zu verkaufen?
Wer zwingt mich überhaupt, 10-Jahresverträge anzubieten, jeder kann sowieso Jahresverträge abschließen?
Offen gestanden verstehe ich daher die Aufregung nicht.
Was mir aber Sorge bereitet, das ist die Tendenz, die mit einer Abschaffung erzeugt wird.
Wollen wir alles „ganz einfach“ haben?
Wollen wir Produkte, die jeder „Angelernte“ spielend gleich gut kann wie erfahrene Experten?
Wollen wir das auch mit den sonstigen Vertrags-Bedingungen – also einen Einheitsbrei statt Vielfalt?
Zerstören wir damit nicht das Biotop, welches uns nährt?
WIR sind doch der Navigator durch den Versicherungsdschungel – uns braucht man, wenn es komplexer wird!
Haben wir nicht bei der KFZ-Haftpflicht gesehen, wohin der Einheitsbrei führt?
Eine nutzlose Schlacht um Rabatte, und ein „Geschäft“, das längst keines mehr ist, sondern eine Last.
Wollen wir eine Situation wie in Deutschland? Ein Hauen und Stechen zum jährlichen Kündigungstermin, um Verträge vielleicht nochmals um 2,50 Euro billiger zu machen! – Wozu? Diese Zeit sollte für qualifizierte Beratung verwendet werden, es gäbe genug zu tun, Berufsunfähigkeit, Krankheit, Pension, Tod, Haftpflicht und Rechtschutzhemen etc. gibt es en masse. Nur bestehende Verträge jährlich zu drehen, sehe ich nicht als unsere Hauptaufgabe, das erzeugt nur Abrieb.
Vor allem aber wird der positive Sinn von 10-Jahresverträgen vollkommen negiert. Elementarrisken werden u.a. durch die Klimaänderung wohl teurer werden – was spricht also gegen einen 10-Jahresvertrag?
Sollte der Kunde den aber doch nicht einhalten wollen, gibt es eine Sanktion, dann hat er die 20% zu Unrecht konsumiert, oder ein sachkundiger Berater vermeidet diese Nachverrechnung.
Was mich aber am meisten beunruhigt ist, dass die Auswirkungen auf den Wert von Maklerbeständen nicht berücksichtigt werden.
Wir kennen doch alle die Kriterien, nach den unsere Bestände beurteilt werden. Welche Rolle spielen dabei die jährlich kündbaren Kfz-Prämien?
Dieser Bestand ist praktisch nichts wert… Arbeit und Haftung.
Umfragen:
Nehmen wir an, die Fachgruppen würden eine Umfrage machen, ob die Makler einheitliche Schnittstellen von allen Gesellschaften und überhaupt einheitliche Prozesse wollen?
Was wäre das Ergebnis – 98%, 99, oder gar 102?
Wir wollen diese Vereinfachungen seit Jahrzehnten, und es geht nur zizerlweise weiter. Verwaltung und Prozesse, das ist der Stoff, aus dem meines Erachtens nach die Maklerträume gemacht werden. Das muss man hinkriegen, um in der raschlebigen Versicherungswelt wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Abgesehen davon, dass ich bezweifle, dass der Zuruf der Maklerschaft umgehend ein generelles Salutieren der Versicherungswirtschaft zur Folge hätte, und der DR durchgehend abgeschafft würde, sehe ich persönlich keine Dringlichkeit in dieser Frage.
Jedenfalls soll die Diskussion nicht einseitig geführt, sondern es soll „abgewogen“ werden. Unabhängig davon, ob die Versicherungswirtschaft unseren Input braucht, um zu einer einheitlichen Meinung zum DR zu kommen.

Meine persönliche Meinung dazu ist – Vielfalt ist immer gut, vor allem für uns Makler.
Daher mein Appell – befeuern wir doch nicht Maßnahmen, die den Wert unserer Betriebe reduzieren!