Reicher Medaillenregen

von Mag. Christian Sec

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Geld gewinnt Medaillen. Das zeigten nicht zuletzt die Olympischen Spiele. Experten aus der Wirtschaft sind daher mit den Medaillenprognosen manchmal erfolgreicher als die Sportexperten.

Die Olympischen Spiele sind vorbei. Wir haben sie wieder erlebt die Dramen und Rekorde. Aber ein Blick auf den Medaillenspiegel brachte trotz aller Sensationen in einzelnen Disziplinen ein erwartbares Ergebnis. USA vor China und Japan heißt es nicht nur im Medaillenspiegel, sondern auch im BIP-Ranking. Alle aktuellen G7-Staaten schafften es unter die ersten elf Nationen im Medaillenspiegel. Zufall ist das nicht. Bei den letzten Spielen in Rio lagen die Prognosen des US-Finanzdienstleisters Goldman Sachs, die fast ausschließlich auf ökonomische Parameter beruhten, weit besser als die der Sportexperten. Geld macht also Medaillen. Die olympischen Spiele sind schon lange nicht nur ein ehrenwerter sportlicher Wettbewerb zwischen Athleten, sondern ein Brennglas wirtschaftlicher Potenz. Die Staaten pumpen Millionen in die Förderung ihrer Sportler, um am Ende alle vier Jahre belohnt zu werden mit einer Topplatzierung im Medaillenspiegel. Olympioniken marschieren wie eine Söldnertruppe für ihr Land aus und werden wie Helden bei der Heimkehr empfangen, wenn sie ihre Schlachten erfolgreich geschlagen haben. Sie werden in die Präsidentenpaläste geladen und überhäuft mit Anstecknadeln und anderen Souvenirs. Singapur zahlt einem Olympiasieger oder eine Olympiasiegerin in einer Einzelsportart eine Prämie von einer Million US-Dollar. Trotz des Anreizes jedoch ohne Erfolg. Singapur blieb bei den Spielen medaillenlos. In Polen gibt es neben der Prämie eine lebenslange, steuerfreie Rente, in Litauen ein Auto. Die Prämien für österreichische Medaillengewinner sind im internationalen Vergleich durchschnittlich. Eine Goldmedaille war dem Österreichischen Olympischen Komitee 17.000 Euro wert. Eine fürstliche Belohnung gab es jedoch in der Leichtathletiksparte. Dank der Zusammenarbeit mit dem Partner Helvetia versprach der Österreichische Leichtathletikverband für den Olympiasieg 205.000 Euro. Der Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger der immerhin Bronze schaffte wurde mit 50.000 Euro belohnt.

Kalter Krieg unter dem Olympischen Feuer

Wenn also Parameter wie BIP, BIP pro Kopf oder die Wirtschaftsdynamik mehr Auskunft über den sportlichen Erfolg geben als das mögliche Potential an Talenten, dann zeugt der Erfolg bei sportlichen Großwettbewerben möglicherweise von den Fähigkeiten des Landes an sich. Daher auch das große Tamtam um die Olympiasieger, die bald keiner mehr kennt. Aber der Medaillenspiegel verstaubt nicht so schnell. Um sich keiner Schmach vor den Erzfeind im Süden auszusetzen hat wohl Nordkorea erst gar nicht an den Olympischen Spielen teilgenommen. Der Kampf der politischen Systeme wird gerne nicht nur am Schlachtfeld, sondern auch auf der Laufbahn ausgetragen. Der Medaillenspiegel ist nicht nur sportliches Ergebnis, sondern auch Propaganda für die eigene Ideologie. Als Tokio 1964 zum ersten Mal Austragungsort der Olympischen Spiele war duellierten sich die Sowjetunion und die USA um den Platz an der Sonne im Medaillenspiegel. Am Ende siegte das System der freien Marktwirtschaft knapp gegen den Kommunismus, mit 36 Goldmedaillen gegenüber 30 Goldenen für die Sowjetunion. Ein anderes Beispiel ist Indien. Wenn wir annehmen, dass sportliches Talent überall am Erdball gleichverteilt ist, so müsste das bevölkerungsreichste Land der Erde am Ende jeder Spiele Containerladungen voll von Medaillen ins eigene Land importieren. Jedoch ist dies bei weitem nicht der Fall. Seitdem das Land 1920 erstmals bei Olympischen Spielen teilgenommen hat, hat es erst zehn Goldmedaillen erobert. Die Goldene des indischen Speerwerfers in Tokio war erst die Zweite seit 1980. Zwar ist Indien aufgrund seiner großen Population an fünfter Stelle beim BIP, jedoch zählt es beim BIP/Kopf noch zu den ärmsten Ländern der Welt. Lesen Sie mehr in der aktuellen risControl 08/2021 Ausgabe.