Ringelspiel

von Mario Passini

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Bei seiner ersten Pressekonferenz stellte der gewählte US-Präsident Joe R. Biden einen ersten Teil seines Regierungsprogrammes vor. Unter anderem wies er darauf hin: „Dies ist keine dritte Amtszeit von Obama.“. Eine Wortfalle. Gerade weil er dieses Gedankenmodell direkt ansprach erweckte er es zu neuem Leben. Klar ist, Biden wird seine Politik machen. Zum Wohle der ganzen Welt. Fast weltweit herrscht Erleichterung und Freude. „Yes we can“. Hoppala, ein Ringelspiel.

Auf Herrn Trump warten derweilen Staatsanwälte des US-Bundesstaates New York. Nach dem Motto: „Komm mit mir ins Chambre separee.“ Trump hat noch eine Chance. Kann er in den Zeitungen nachlesen: Vorzeitig zurücktreten, Vize Mike Pence wird Präsident und begnadigt ihn – pauschal. Ein Ringelspiel

Es ging wie Lauffeuer durch die britische Presse. Der Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen stehe unmittelbar bevor. Innerhalb von zwei Tagen sei eine Einigung zu erwarten. Premier Johnson habe mit EU-Präsidentin Von der Leyen gesprochen. Man sei sich in allen Punkten einig. Sie sagte: „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um eine Einigung zu erzielen. Wir sind bereit, kreativ zu sein. Aber wir sind nicht bereit, die Integrität des Binnenmarktes in Frage zu stellen, der den Hauptschutz für Wohlstand in Europa darstellt.“
Also brauchen nur mehr restliche, klitzekleinen Fragen geklärt werden: Die Fischerei, die staatlichen Beihilfen, Personenverkehr, Rechtsprechungshoheit des Europäischen Gerichtshofs, Standards für die Arbeit, soziale Rechte, Steuertransparenz, das Nordirland-Problem – auf das US-Präsident Biden ein besonders scharfes Auge hat, u.s.w. Kleinigkeiten also. Und um die Sackgasse bei den Verhandlungen zu überwinden, soll die EU in 10 bis 15 Jahren eine Überprüfung aller Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit gefordert haben – was laut Kritikern bedeutet, dass eine künftige EU-pro-Regierung in Großbritannien schnell handeln könnte Geschäfte oder Vereinbarungen, auch den Brexit, rückgängig machen. Jetzt ist man bei Brexiteers aber wirklich böse.

Da muss eine Seite kapitulieren. England nicht. In London betont man, man sei jetzt wieder ein souveräner Küstenstaat. Waren die Briten bisher das nicht? Nein, sagen sie. Wir standen unter der tyrannischen Fuchtel der EU-Schreckensherrschaft. Dabei haben sie doch alle Freiheiten: Nutzen andere Maße, den Inch, wiegen Gewicht in Steinen und Fahren links. All das hat man ihnen gerne nachgesehen. Wobei, sagt man nicht allenthalben hütet Euch vor Geister- und Linksfahrern? Egal, sagen die Brexiteers, die EU fällt ohnedies bald auseinander – als Kollateralschaden. Ein Ringelspiel.

Sie meinen damit den Streit in der EU um den Begriff Rechtsstaatlichkeit. Es betrifft zwei Mitgliedsstaaten. Ungarn, unsere Schwager, Freunde oder ehemalige Monarchie-Brüder – wie man´s nimmt – und Polen. Die aber sind keck. Sie sagen, wir brauchen die EU nicht und deren Geld schon gar nicht? Aber geh´! Bisher galten sie als größter Nettoempfänger. Doch was hier so feindlich tönt ist nicht die allgemeine polnische Meinung. Hinter der Offiziellen steht als wahre Macht ein kleines Mandl. Meine Mami sagte mir schon immer: Mario, hüte dich vor kleinen Männern. Ein Ringelspiel.

Unsere geliebten Staatslenker wollen uns Schmerzen ersparen. Trennungsschmerzen. Und damit wir uns immer daran erinnern, wie gut sie zu uns sind, bündeln sie derzeit eine Art Erinnerungspaket um 30 Millionen Euro. Schnöde Bösgeister sagen Propaganda dazu. Mit dem Geld sollen – professionell aufbereitet – Erinnerungskampagnen dafür sorgen, dass wir uns immer daran erinnern, dass sie es sind, die Lieben, die dafür sorgen, dass es uns gut geht. Immer. Und immer werden sie für Österreich arbeiten. Und für uns. Wir brauchen sie nur zu wählen. Immer. Sonst nix. Ein Ringelspiel..

Ein letzter Hinweis: Wir bereiten für unsere geehrten Leser einen Ratgeber vor was man in diesen schweren Corona-Kriegszeiten seinen Liebsten zu Weihnachten schenken könnte. Ein erster Einblick in die Umfragewerte zeigt: Die virtuelle Gesichtsmaske steht als Geschenk an erster Stelle. Für Betuchte: Mit edelsteinstrahlen.

Ein allerletzter Hinweis. Warum Ringelspiel? Na, weil sich alles im Kreis dreht. In einem alten Wienerlied heißt es: Schön ist so ein Ringelspiel! Das is a Hetz und kost net viel ….. Damit auch der kleine Mann sich eine Freude leisten kann. Immer wieder fährt man weg und draht sich doch am selben Fleck. Stimmt doch. Oder? Bleiben Sie gesund. Bis zum dritten Lockdown.