Russland, Rumänien, Polen, Südafrika und Co

von Michael Kordovsky

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Kapitalmärkte an denen noch Normalität vorherrscht. Der Großteil entwickelter Volkswirtschaften ist mit Null- und Negativzinsen bei gleichzeitigen Aktien- und Anleihenblasen konfrontiert. Aber es gibt noch eine Gruppe von Ländern, u.a. in Osteuropa, in denen noch normalere Verhältnisse herrschen. Vor allem der ehemalige „Ostblock“ bietet hervorragende Investmentchancen.

Während in unseren Breiten Inflationsschübe aufgrund steigender Erdöl- und Erdgaspreise sowie Rohstoff- und Materialknappheit vorherrschen, gibt es eine Reihe von Ländern wie Russland, Kasachstan, Südafrika, Australien und Brasilien, die klar von diesen Entwicklungen profitieren. Sie haben im Falle von Russland, Südafrika und Brasilien günstig bewertete Währungen, während der Australische Dollar infolge von Leitzinsanhebungen zum Euro Stärke zeigt. Auch günstig bewertet ist der polnische Zloty, denn Polen gewinnt als Produktionsstandort immer mehr an Bedeutung und die Bevölkerung verfügt noch über hohe Arbeitsmoral – ein wesentlicher Faktor, der im Westen zunehmend verlorengeht.

Dafür sind die entwickelten Länder – nicht zuletzt infolge der Covid-19-Programme so hoch verschuldet wie noch nie zuvor in Friedenszeiten. Bereits 2019 lag die Staatsschuld der OECD-Länder bei 109 Prozent des BIP. Unter 22 OECD- und EU-Mitgliedsstaaten stieg von 2019 auf 2020 die Staatsverschuldung von 97 auf 115 Prozent des BIP, wobei Griechenland mit 36 PP des BIP den stärksten Schuldenanstieg verzeichnete (auf 236% des BIP). Solche Zustände lassen sich auf Dauer nicht mehr mit Anleihenkäufen und Nullzinsen bekämpfen, insbesondere wenn bald die Anleihenkäufe zurückgefahren werden. Die Fed hat dies bereits kommuniziert und die EZB hat es in Aussicht gestellt zumal ihre Corona-Maßnahmen im März 2022 auslaufen. Noch heuer sind aber in der EZ-Peripherie die Netto-Anleiheemissionen von der EZB zu 100 Prozent aufgekauft worden. Das ist ein großes Abhängigkeitsverhältnis, das langfristig kritisch zu betrachten ist.

Noch am wenigsten belastet sind hingegen die ehemals kommunistischen Länder Osteuropas, da diese lange keinen Zugang zum westlichen Kapitalmarkt hatten und somit keine Meister in der Kunst der Staatsfinanzierung auf Pump sind. Das bietet nun mehr Sicherheit für Anleger, wobei die Erträge von Anleihen aus Osteuropa noch wesentlich höher sind als bei den Bundesanleihen aus Österreich und Deutschland.
Die G7-Staaten hingegen haben 2020 bereits Staatsschulden von 140 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung angehäuft und ihre Staatsanleihen weisen teils Negativzinsen auf, während das Schuldenniveau der Entwicklungs- und Schwellenländer bei 63 Prozent liegt. Die Renditen der Staatsanleihen der gewählten Stichprobe von 10 Emerging Markets lagen aber bei 10jähriger Laufzeit im Schnitt bei 7,6 Prozent.
Inflation und Zinsanhebungszyklen in Osteuropa

Relevant für Russland und (Süd)Osteuropa sind steigende Inflationszahlen und in der Folge steigende Leitzinsen der Notenbanken sowie steigende Erdöl- und Erdgaspreise. Das bedeutet vor allem für den russischen Rubel Aufwertungspotenzial und beflügelt nicht nur den von Banken-, Erdöl/Erdgas sowie Rohstoffen geprägten russischen Aktienmarkt, sondern auch andere osteuropäische Aktienmärkte mit starker Gewichtung von Banken- und Erdöl/Erdgas-Titel. Als Beispiele nannte Bernd Maurer, Head of Institutional Equity Research Raiffeisen Bank International den ungarischen und rumänischen Aktienmarkt. „Letzter wird von wenigen Aktien stark beeinflusst unter anderem vom Öl/Gas-Unternehmen OMV Petrom, Banca Transilvania und BRD – Groupe Societe Generale. Die beiden Großbanken profitieren von weiteren Zinsanhebungserwartungen“, so Maurer gegenüber RisControl, der auch auf das Kellerei-Unternehmen Wein Purcari Wineries hinwies. Letzteres konnte laut finanzen.net in Landeswährung sein operatives Ergebnis von 2016 bis 2020 um 13,4 Prozent p.a. steigern. Laut Analystenkonsens von FactSet (Quelle: finanzen.net) sollte der Gewinn/Aktie von 2021 bis 2023 von 1,00 auf 1,28 rumänische Leu wachsen woraus ein für 2023 erwartetes KGV von günstigen 11,7 (per 4.11.21) resultieren würde.

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