Taumelnder Greenback

von Mag. Christian Sec

Nachdem der US-Dollar in der ersten Phase der COVID-19-Krise noch einen Anstieg erfuhr, verzeichnete der Greenback im Juli sein schlechtestes Monat in den letzten zehn Jahren, was auch Debatten über die globale Rolle des Dollars und damit der US-Wirtschaft lostrat.

Im Juli verzeichnete der Dollar gegenüber einem Währungskorb der wichtigsten Währungen einen Rückgang von fünf Prozent. Fünf Prozent in einem Monat sind für Aktienmärkte möglicherweise ein moderater Rückgang, in der Welt der Währungen ist dieser jedoch durchaus als dramatisch anzusehen. Fast könnte man sich Sorgen über die US-Hegemonie machen, dessen Flaggschiff und Seismograf seine Währung darstellt.
Auf kurze Sicht reflektiert der Rückgang des Dollars die gegenwärtige Schwäche der US-Wirtschaft nachdem die Pandemie auch die südlichen Bundesstaaten mit voller Wucht getroffen hat. Dabei sollten aber die fundamentalen Probleme des Greenbacks nicht übersehen werden. Denn es ist äußerst seltsam, dass die weltweite Reservewährung gerade in Zeiten globaler Unsicherheit so stark an Wert verliert, denn gerade dann werden sichere Werte aufgesucht. Und die Unsicherheit ist allgegenwärtig. Sie spiegelt sich nicht zuletzt im steigenden Goldpreis wider, der in den letzten Wochen zu Rekordhöhen aufgestiegen ist. Während jedoch Dollar und Gold in Krisenzeiten meist im Gleichklang an Wert zulegen, scheinen die Investoren ihr Vertrauen in den Greenback eingebüßt zu haben, und setzen daher umso mehr auf Gold. Die Zweifel der Investoren betreffen dabei vor allem die US-Institutionen, die derzeit zu schwach zu sein scheinen, um den Dollar das notwendige Vertrauen zu schenken.

Der Dollar strauchelt

Eine Reservewährung, die sich nicht als zuverlässig herausstellt führt am Kapitalmarkt zu seltsamen Ergebnissen. Normalerweise ist ein Wertrückgang des Dollars ein Anzeichen für globalen Wirtschaftsoptimismus und zeigt an, dass die Staaten gute Wachstumsaussichten haben und Dollar-Investoren wieder nach attraktiveren und risikoreicheren Veranlagungen Ausschau halten können.
Die Aussichten sind jedoch dieses Mal andere. Der Rückgang des Dollars hat sich beschleunigt, während die Preise von Staatsanleihen auf Rekordhöhen verblieben sind, was wiederum niedrige Wachstumserwartungen und einen Wunsch nach risikoarmen Anlagen reflektiert. Dies bedeutet jedoch auch, dass die Investoren ein spezifisches amerikanisches Problem orten.
Die schlechte Stimmung über das Missmanagement in der Corona-Krise wird von den Investoren nicht mehr verheimlicht und untergräbt das Vertrauen in die Finanzmärkte. Das Vertrauen in den Dollar ist so stark angeschlagen, dass sogar der gebeutelte Pfund Sterling, der vom Brexit und den unsicheren Folgen nach dem endgültigen Ausstieg Ende des Jahres stark beeinträchtigt ist, gegenüber dem US-Dollar Boden gutmachen konnte.

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