Ultimativer Irrsinn

von Mario Passini

https://www.express.co.uk/news/uk/

Auch im Brexitzeitalter gibt es verschiedene Gruppen von Engländern. Die Brexiteers, sie erzielten bei der Abstimmung am 23. Juni 2016 die Mehrheit (51,89 Prozent). Errungen mit einigen, eher fragwürdigen Argumenten. Inzwischen ist eine Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr für den Brexit. Und sobald dieser real existiert, ab 01.01.2021, werden noch viel mehr ihre Wahlentscheidung von 2016 bereuen. Premierminister Johnson sagte der Brexit sei „ofenfertig“. Ist er nicht. Bis heute. Neuester, allerletzter Termin soll der 6./7. Dezember sein. Abwarten.
Dann gibt es die Gruppe der EU-Befürwortern – heute eine (knappe) Mehrheit im Volk. Allerdings nicht im Parlament. Und es gibt eine Gruppe von Brextremisten. Sie sind auf einen beinharten, extremen Brexit, auf den totalen Bruch mit Europa, eingeschworen. Es sind Minister darunter. Sie sind verwurzelt im Denken an die Zeit des Manchester-Kapitalismus. Aktuell erkennbar an der Weigerung der Regierung, bedürftigen englischen Kindern für die Dauer der Sommerferien Essensgutscheine zu bewilligen. Darüber hinaus gibt noch eine Gruppe, klein oder groß, die denkt an das goldene Zeitalter Queen Elizabeth (die Erste) – sie gründete die Seemacht Britanniens. Am liebsten möchten sie den Ärmelkanal verbreitern um noch mehr Abstand zum Kontinent zu gewinnen.

Wen wunderts, wenn solche Leute mit Grimm an einen Tunnel denken, der dem Kontinent seit 1963 einen direkten Zugang nach Britannien bietet? Der Eisenbahn-Channel-Tunnel. Die angesehene englische Tageszeitung EXPRESS hat jetzt aufgedeckt, dass es eine Verschwörung gab den Euro-Tunnel mit einer Atombombe zu sprengen (Siehe: Titelseite EXPRESS). Geheime Akten, bisher im Nationalarchiv von Kew (London) versteckt, enthüllen, dass Extremisten in der britischen Verwaltung von hochrangigen Militärexperten einen Plan ausarbeiten ließen wie man den Tunnelzugang im Falle einer sowjetischen Invasion sperren könnte. Da der Schutz durch den „Wassergraben“ (Ärmelkanal) dadurch nicht gesichert sei, wäre die Sprengung des Tunnels der letzte Ausweg. EXPRESS zitiert wörtlich aus den Akten: „Es müssen Vorbereitungen getroffen werden, um unsere einzige Verbindung mit Frankreich und dem Rest des Kontinents zu zerstören …“ Eine totale Trennung (‚totaler Zusammenbruch‘) könnte mit einer Atomwaffe sichergestellt werden

Nach einem (damaligen) Dekret des Verteidigungsministeriums würde (die Grafschaft) Kent einen gewissen „Kollateralschaden“ erleiden. Die Kosten sollten astronomisch sein. Darüber hinaus wäre die Regierung auch gezwungen, dieses Vorhaben vor Frankreich geheim zu halten. EXPRESS schreibt, dass das geheime Memo, das zuerst vom Unabhängigen gesehen wurde, keine Einzelheiten darüber enthielt, wann der Plan, eine Atomwaffe einzusetzen, fallengelassen wurde. Der Irrsinn lebt?