Vertrauen ist Gold

von Mag. Christian Sec

Handshake in blue medical gloves isolated on white background. Partial view.

Wie erfolgreich die Regierung in dieser Notsituation arbeitet, sollten wir erst beurteilen, wenn alles vorbei ist. Was jedoch den Erfolg der Regierung in dieser Krise maßgeblich bestimmen wird ist das Vertrauen, das die Bevölkerung in die Maßnahmen der Regierung setzt.
Wenn einem das Leben noch nicht gelehrt hat, so ist es doch eine nachvollziehbare Weisheit: Vertrauen ist leicht zu verlieren, aber sehr schwer aufzubauen. Wir alle lieben das Vertrauen, das wir von unseren Kindern erhalten. Wir alle vertrauen Personen in unserem näheren Umfeld und nur wenig kann mehr enttäuschen als Vertrauensmissbrauch. Auch Unternehmen oder Staaten buhlen um das Vertrauen von Konsumenten und Bevölkerung. Die Legitimität einer Herrschaft und damit auch ihr Handlungsspielraum wird stark vom Vertrauen ihrer Untertanen beeinflusst. Das Vertrauen hat dabei zwei Dimensionen, wie der Edelman-Index – ein internationaler Index, der das Vertrauen von Institutionen misst – zeigt, eine Ethische, die vom Charakter der handelnden Personen abhängt und eine Kompetenzdimension, die das fachliche Vertrauen der Personen bzw. der Institutionen misst. Weltweite Umfragen zeigten vor Corona, dass die Menschen den Unternehmen mehr Vertrauen entgegenbrachten als den Regierungen, und zwar sowohl was Ethik als auch was Kompetenz betrifft. Regierungen wurde schlichtweg Unfähigkeit attestiert, den Herausforderungen der modernen Welt entgegenzutreten. Diese Vertrauenslücke besetzten die Unternehmen die gesellschaftliche Verantwortung zu ihrer Maxime machten als Mittel zum Zweck der Profitmaximierung. Aktiengesellschaften trugen den Shareholder-Value zu Grabe und auch der Stakeholder-Ansatz griff noch zu kurz. Denn für die Unternehmen hieß es die Welt zu retten, um Geld zu machen. Dem Staat wurde nichts zugetraut. Ihm blieb die Nachtwächterrolle übrig, wenn er nicht gerade mit einer Regulierungsflut und Vorschriften seine Existenzberechtigung im Wirtschaftsleben einforderte. Aber das ist lange her.

Gewinner und Verlierer

Mit dem Virus legt die Privatwirtschaft eine Pause ein und der Staat hat unverhofft Hochkonjunktur. Statt die Produkte moralischer Unternehmen zu konsumieren sitzen weltweit die Bürger in den eigenen vier Wänden lauschen den Pressekonferenzen der Regierungsspitzen, während draußen die Polizei patrouilliert, um die Corona-Verordnungen zu kontrollieren. Aber auch wenn die Stunde der Not meist die Stunde der Exekutive bedeutet, kann in einer Demokratie nicht alles kontrolliert werden. Man ist auch auf die Akzeptanz der Empfehlungen in der Bevölkerung angewiesen. Diese Akzeptanz ist wiederum Ausdruck von Vertrauen. Dieses Vertrauen in die Regierungen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich ausgeprägt. Laut einer OECD-Studie lag in der Schweiz das Vertrauen der Bürger in ihre Regierung vor der Krise bei 85 Prozent in Deutschland immerhin bei 60 Prozent. In Österreich vertraute jeder Zweite der Regierung. Italien, Spanien und die Vereinigten Staaten kamen bei dieser Studie nicht gut weg und belegten die hintersten Plätze. Es mag nun Zufall sein, dass genau diese Länder von der Pandemie am stärksten betroffen sind. Aber eines steht trotzdem fest. Vertrauen und das Durchsetzen von Maßnahmen stehen in starker Wechselwirkung, wie auch die OECD erklärt. „Die Fähigkeit zur Umsetzung ist in entscheidendem Maße vom Vertrauen abhängig“. Was hilft es also, wenn die Regierung, wohlgemerkt eines demokratischen Landes, die richtigen Maßnahmen setzt, aber ihre Bewohner, wie trotzige Jugendliche darauf reagieren? Nun könnte man aufgrund dieser Tatsache die Regierung freisprechen von Verantwortung in der Corona-Zeit. Man könnte meinen das Nicht-Vertrauen in staatliche Institutionen hat kulturell-historische Gründe und keine selbstverantwortlichen Ursachen. Man könnte also für die hohe Zahl der Toten in Italien und Spanien die Kultur des Volkes verantwortlich machen, das wie ein pubertierender Halbstarker nicht auf seinen Vater hört, der ihm ins Gewissen redet. Der Politikwissenschaftler Geert Bouckaert widerspricht diesem Schluss vehement. Vertrauen ist nicht einfach etwas, das den Regierungen zufällig entgegengebracht wird, sondern etwas, das die Regierungen durch ihre Handlungen und …… lesen Sie mehr in der April Ausgabe von risControl