Virus, Virus, gib mir meine Freiheit wieder – We´ll meet again

von Mario Passini

Roland Turner I CC BY-SA 2.0)

Geht es Ihnen, verehrte Leserin, verehrter Leser, genauso? Ich zumindest mag vom V-Thema schon nichts mehr hören. Alle Nachrichten- und Informationskanäle, alle sozialen Medien sind voll vom Viru… – pardon – vom V-Thema. Trolle verbreiten Nonsens und – wie immer – üble Beschimpfungen; rund zehn Prozent der Bevölkerung pfeifen auf das V. und die deshalb behördlich angeordneten Konsequenzen.

Krieg kann man nicht erklären, denn es gibt keine passenden Worte oder noch so eindringliche Erzählungen, die einen diese Katastrophe physisch-emotional erleben, fühlen, spüren lässt. Hier ein kleiner Beweis: TV-Filmdokumente vom Krieg – nach der Sendung wechselt man einfach zu anderer Unterhaltung. Und doch, gerade die derzeitige Situation kann der heutigen Generation ein kleines Stückchen nahebringen, wie es damals war. Wie bei einem Fliegeralarm sind Gassen, Straßen, Plätze, ja die ganze Stadt leer. Was „fehlt“ ist das Heulen der Alarmsirenen, das anschwellende Dröhnen tausender Bomber und das Pfeifen niedergehender Bomben. Gut so, denn im schlimmsten Fall war die Bombe, die dich getroffen hat, jene, die du nicht gehört hast. Ja, so war das damals. Zugegeben, ein wenig trostreicher Vergleich. Jetzt kommt wieder ein Gefühl von Unsicherheit und Angst auf. Das ist gut für die Politik. Ängstliche lassen sich leichter steuern. Gut gemacht.

Wir träumten von goldenen Zeiten, dann kam das V. Die Welt werde eine andere sein, sagt unser tougher Kanzler. Alles werde gut! Doch das dient nur zur Beruhigung. Mag der Wiederaufbau der Wirtschaft im Herbst teilweise schnell gehen, es wird herbe Verluste geben, Existenzen werden vernichtet worden sein – viele werden hilflos ausgeliefert sein. Gerade deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um unseren jugendlichen Kanzler an seine goldenen Worte zu erinnern. Er sagte nach der Rückkehr von einer Studienreise: „Österreich braucht eine andere Kultur des Scheiterns.“ Wie wahr, denn eines hat das Coronavirus – jetzt habe ich das höllische Zeugs doch tatsächlich beim Namen genannt – nicht zum Stillstand gebracht: Das Zins-Gier-Virus. Was nutzen Stundung und Aufschub, wenn Eintreiber 16 Prozent Zinsen noch immer fröhlich-locker verrechnen. Wichtig wäre eine vernünftige Regelung à la England. Der Rachefaktor sollte auch getilgt werden.

Gewiss ist, dass es eine Art Zweifrontenkrieg (Virus & Wirtschaft) ist. Danach wird eine Staatsschuldenkrise über die „Uneinigen Staaten von Europa“ hinwegfegen. Und wer zahlt? Österreich ist dabei verhältnismäßig gut dran, weil unsere Regierung (fast) alles richtig macht. Dass es auch anders geht, zeigt die Entwicklung in Brexitannien. Dort meinte Herr Johnson zunächst, die Natur heile sich selbst, verordnete „Keep calm and carry on“ (ruhig bleiben und weitermachen) und setzte auf – so nennt man das – Herdenimmunität. Erst als ihm ernst zu nehmende Wissenschaftler erklärten, diese Art von Gewaltheilung koste an die 250.000 Tote, schaltete er um. Jetzt. („Jetzt“: Zum Zeitpunkt dieses Berichtes ist es Ende März). Einige U-Bahn-Stationen werden geschlossen, aber noch immer gibt es ein uneingeschränktes soziales Miteinander. Vera Ann Lynn, eine heute einhundertzweijährige Londoner Lady – Weltkriegsveteranin und Komponistin des berühmten Battle-of-Britain-Schlagers „We´ll meet again“, eine der schönsten Oden an die Hoffnung – sagte dem „Guardian“, sie fühle sich heute wieder so wie damals im Krieg. Da ist er wieder, dieser grausame Vergleich. Aber alle, die den Krieg erlebt haben und noch unter uns weilen, sagen, beides erlebt, kein Vergleich.

risControl VISION-ONLINE macht‘s möglich: Schauen Sie sich das an. Hören und sehen Sie die „D-Day Darlings“ mit „We´ll meet again“. Nach all den schlechten Nachrichten dieser Tage geben die Ladys mit diesem Evergreen ein wenig Trost in trister Zeit: Bewahrt euer Lächeln. Wir treffen uns wieder – an einem sonnigen Tag. Schätze, es könnte im Herbst sein, meint Ihr
Mario Passini