Vorsicht Sackgasse: Angekündigte Revolutionen finden nicht statt

von Michael Kordovsky

Michael Kordovsky

Vor allem Newcomer an der Börse laufen Gefahr, einen der tausenden selbsternannter Experten und deren scheinbaren Reichmacher-Methoden auf den Leim zu gehen. Deshalb sollten Sie sich jetzt mehr denn je auf wichtige Fakten und zeitlos bewährte Methoden besinnen. Dies erfordert viel Selbstdisziplin, erspart jedoch langfristig teures Lehrgeld.

Ein paar Videos auf YouTube und eine öffentlich zugängliche E-Mail-Adresse reichen um mit einer Inflation an Coaching-Angeboten konfrontiert zu werden. Versprochen werden Ihnen dabei meist schneller Reichtum durch Kryptowährungen, dubiose Handelssysteme, heiße Börsentipps oder Immobilien-Investments mit minimalem Kapitaleinsatz. Andere „Coaches“ versprechen wiederum Top-Gesundheit und schnelles Abnehmen mit ihren Methoden. Bei so viel tollen Angeboten müsste die Welt nur noch aus reichen und topfitten Menschen bestehen. Doch die Realität sieht in der Regel anders aus. Wer tatsächlich aus einfachen Verhältnissen stammend reich geworden ist, verabschiedet sich früher oder später wohl eher in die Dekadenz als dass er Fremden seine Erfolgsgeheimnisse verrät. Und wer mit einem guten Handelssystem regelmäßig auffallend hohe Trading-Gewinne erzielt, wird mit eigenem Kapitaleinsatz traden und bestenfalls gegen hohe Erfolgsbeteiligung für sehr wohlhabende Kunden Gelder verwalten.

Das Gleiche gilt für „heiße Tipps“ im Zusammenhang mit „Zukunftsvisionen“, denn wer wirklich nachhaltig die Zukunft gut vorhersehen könnte, würde dies streng geheim halten und mit diesem Wissen sein eigenes Vermögen aufbauen.

(Potenziell) falsche Lockvögel im Überblick:

Diverse Börsenpublikationen, Populärautoren und selbsternannte „Gurus“ hatten in den vergangenen Jahren folgende Szenarien angekündigt bzw. in den Vordergrund gerückt:

Zerfall der Eurozone und Hyperinflation

Es hätte um 2012 herum die Eurozone zerfallen sollen. Hyperinflation wurde angekündigt und die simple Lösung waren Gold und Silber bzw. einschlägige Minentitel. Gebetsmühlenartig wurde das Paradigma vom sterbenden Euro wiederholt. „Schließen Sie noch heute ein Abo ab und erhalten Sie dabei Geschenke im Wert von 300 Euro“ – nach einem ähnlichen Schema gingen sogenannte „Wohlstandssicherer“ auf die Suche nach leichtgläubigen Adressaten, die für ihre „Goldtipps“ zu zahlen bereit waren. Doch was passierte wirklich? Anfang 2012 Stand der Goldpreis bei ca. 1750 USD ehe er bis Dezember 2015 auf ca. 1050 USD absackte. Es dauert noch bis Juni 2020 ehe Kurse jenseits der 1750 USD erreicht waren. Und wann kam die Hyperinflation? Die durchschnittliche Inflationsrate (HVPI) im Euroraum lag 2012 noch bei 2,50 Prozent und ging bis 2015 kontinuierlich auf Null zurück. Von 2016 bis 2020 lag die Bandbreite bei 0,2 bis 1,8 Prozent.

E-Autos und grüne Energie

Vor rund einem Jahr galten E-Auto-Aktien als „Geheimtipps und neue Revolution“. Die Tesla-Aktie erreichte am 25. Jänner ein Hoch von 900,40 USD und hat sich somit binnen weniger Monate im Wert verdreifacht ehe bis 2. Juli 2021 ein Rückschlag auf 678,90 USD erfolgte. Noch immer beträgt die Marktkapitalisierung 654 Mrd. USD (vgl. mit 86 Mrd. USD bei GM) und das für 2022 geschätzte KGV 108! (GM: KGV 22 von 8,3 erwartet und Rank 1 bei Zacks!). Somit verfügt Tesla noch über reichlich Rückschlagspotenzial. Indessen haben diverse andere E-Auto-Werte ebenfalls zwischenzeitlich kräftig an Wert eingebüßt. Trotzdem gibt es „Expertenmeinungen“, die Tesla in absehbarer Zeit noch Kurse von 3000 USD zutrauen.

Ebenfalls stark gehyped haben Impact-Investoren und diverse ESG-begeisterte Anleger Aktien grüner Energieversorger bzw. Hersteller von Photovoltaikanlagen und Windturbinen…..
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