Weihnacht auf Sparflamme

von Michael Kordovsky

Michael Kordovsky

„So lange der Vorrat reicht“ – Diese Phrase könnte die verhassteste Redewendung des Jahres 2022 werden, denn es zeichnen sich bereits vereinzelt leere Supermarktregale und geringe Lagerbestände bei Elektronikprodukten ab. Besonders problematisch werden mangelnde Transportkapazitäten. Teuerung und Lieferengpässe prägen den Alltag.

Die USA verzeichneten bereits im Oktober die höchste Inflationsrate seit 1990, nämlich 6,2 Prozent. Im Euroraum lag die Teuerung bei 4,1 Prozent, während die Erzeugerpreise in China im Oktober mit 13,5 Prozent so stark stiegen wie seit 26 Jahren nicht mehr. Im September lag der Anstieg bei 10,7 Prozent.  Ein Mangel an Kohle als Energiequelle führte zu Stromrationierungen und Produktionsausfällen, gleichzeitig explodierten die Rohmaterialpreise. Diese Fabrikspreiserhöhungen in China bekommen über Importverteuerungen auch Konsumenten in den USA und Europa zu spüren. Selbst „Made in EU“ ist keine Inflationsbremse mehr, denn:  Der Preisauftrieb der EU-Erzeugerpreise auf den Inlandsmarkt beschleunigte sich von noch 7,7 Prozent im April auf 16,2 Prozent im September, wobei die Energiepreiskomponente infolge explodierender Erdgaspreise uns höherer Rohölnotierungen im September sogar 40,1 Prozent anstieg.  Wirft man einen Blick auf die Fabrikspreise der einzelnen Länder so fällt Irland im September mit einem Plus von 82,9 Prozent (Jahresbasis) auf. Ein Eigenheim- und Heimwerkerboom in den USA führt zu Knappheit und Preisexplosionen bei Bauholz, Betonstahl und Dämmstoffen. Gleichzeitig wird Kupfer immer knapper, was folgende Zahlen belegen: Citigroup erwartet 2021 ein weltweites Kupfer-Angebotsdefizit von 521 Tonnen. Um bis zum Jahr 2030 einer Ausweitung des Angebotsdefizits auf 4,7 Millionen Tonnen entgegenzuwirken, müssten über 100 Mrd. USD investiert werden – so eine Schätzung der CRU-Group. Doch auch eine Reihe von Batteriemetallen und Metallen für Legierungen werden knapper wie zum Beispiel Mangan, Graphit, Lithium, Nickel und Kobalt. Schlechtere Licht- und Windverhältnisse in der Energieerzeugung in Europa verlagerten dort schnell die Nachfrage verstärkt Richtung Erdgas dessen Versorgung in einem größeren Konflikt mit Belarus von heute auf morgen zusammenbrechen droht. Nicht umsonst hat sich der Erdgaspreis alleine in den vergangenen drei Monaten verdoppelt.

Logistik-Probleme

Nicht nur, dass es in Europa wegen der Unterbezahlung an LKW-Fahrern mangelt. Nun geht sogar der Dieselzusatz AdBlue aus, ohne den die Fahrzeuge nicht gestartet werden können. Aber 90 Prozent des LKW-Verkehrs in Deutschland ist auf AdBlue angewiesen. Ähnliches gilt auch für Österreich. RisControl erfuhr beispielsweise von einem Mitarbeiter einer Ölhandelsgesellschaft, dass vor allem große Speditionen und Supermarktketten in nächster Zeit Probleme bekommen könnten. Unter anderen bleiben wichtige Mehl-Lieferungen nach Italien aus (für die Nudelerzeugung benötigt) und hierzulande drohen leere Supermarktregale. Mehrere Hersteller von Ad Blue entschieden, die Produktion aufgrund der Unwirtschaftlichkeit infolge stark steigender Erdgaspreise zu drosseln und teilweise einzustellen. Binnen weniger Monate haben sich die AdBlue Preise bereits mehr als verdreifacht. Gleichzeitig gibt es Verzögerungen von Transporten auf dem Seeweg. In China sind pandemiebedingt ganze Hafenanlagen geschlossen.

Chip-Knappheit

Die Corona-Krise beschleunigte den Digitalisierungsprozess und den Vormarsch der E-Autos. Laut International Energy Agency (IEA) gaben private Verbraucher 2020 weltweit für Elektro-Autos insgesamt 120 Milliarden USD-Dollar aus – 50 Prozent mehr als im Jahr 2019, zumal der Anteil staatlicher Subventionen hier 14 Milliarden Dollar ausmacht. Bereits jetzt fällt ein Zehntel der jährlichen Halbleiterproduktion auf den Automobilsektor. Doch die Anzahl an Chips und Sensoren, die in einem Auto verbaut werden, sollte sich binnen weniger Jahre auf rund 100.000 verzehnfachen. Nach Angaben des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie ZVEI waren in einem Auto für elektronische Steuerungen zuletzt im Schnitt Chips im Wert von 337 Euro verbaut. Ein Elektrofahrzeug benötigt weitere Chips für 410 EUR. So viel zur Nachfragesituation, der das Angebot derzeit nicht gewachsen ist.

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