Wer hat`s erfunden?

von Mag. Christian Sec

Das heimliche Vorbild für Obamas Gesundheitsreform kommt aus der Schweiz. Mit einer Mischung aus Selbstverantwortung und Solidarität war das Gesundheitssystem der Eidgenossen, wie geschaffen für das kapitalistische Amerika. Trotz allem hängt ein kleiner Schatten über dem Konzept. Das Schweizer Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt.
Trotz ihrer nur etwas mehr als acht Millionen Einwohner zählt Schweiz zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt. Aber Geld ist nicht das einzige Maß aller Dinge. Viele Umfragen zeigen, dass die Schweizer auch zu den glücklichsten Weltbürgern zählen. Dabei scheint den Eidgenossen die Quadratur des Kreises gelungen zu sein. Kapitalistische Ausrichtung bzw. Entscheidungsfreiheit des Einzelnen und Solidarität stellen keinen Widerspruch dar. Das Gesundheitssystem in der Schweiz folgt diesem Prinzip und wurde so zum Role-Model für die Gesundheitsreform in den USA unter Barack Obama. Einwohner der Schweiz sind dazu verpflichtet eine Versicherung bei privaten Anbietern obligatorisch abzuschließen, wobei diejenigen Bürger staatliche Subventionen erhalten, die sich eine Versicherung nicht zur Gänze leisten können. Die Eidgenossen bauten ihr Krankenversicherungssystem vor etwas mehr als 20 Jahren radikal um. So kannten die Schweizer bis 1996 keine Versicherungspflicht. Vorher mussten Ältere höhere Prämien zahlen als Jüngere. Seitdem spielen Alter, Einkommen und Krankheitsrisiko keine Rolle mehr. Damit wurde das Krankenversicherungsmodell solidarischer. Die Miteinbeziehung der Solidarität hat aber auch ihren Preis. Das Gesundheitswesen ist mit Kosten von rund 12,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts eines der teuersten der Welt.
Selbstverantwortungsprinzip
Die Schweizer Bürger sind grundsätzlich verpflichtet sich selbst zu versichern, wobei sich der Bürger frei zwischen 51 privaten Versicherern entscheiden kann, die unterschiedliche Tarife für eine Grundversicherung anbieten. Der Versicherte entscheidet dabei selbst, welchen Anteil der Kosten er selbst übernehmen möchte, wie frei er seine Ärzte wählen will und ob er noch für ein Zusatzangebot wie eine Zahnversicherung zahlen will. Ein Teil der Behandlungskosten bleibt stets beim Patienten hängen: Zwischen 300 Franken (270 Euro) und 2.500 Franken (2250 Euro) pro Jahr – je höher, desto niedriger der monatliche Grundbeitrag. Ist diese Grenze überschritten, springt die Versicherung aber immer noch nicht voll ein. Zehn Prozent der Behandlungskosten trägt stets der Versicherte. Allerdings ist dieser Betrag auf umgerechnet 630 Euro pro Jahr gedeckelt. Wer also schwer erkrankt ist, muss sich also nicht auch noch über das Geld Sorgen machen. Der große Unterschied zu den meisten kontinentalen Versicherungssystemen ist die Selbstverantwortung. Bei vielen Kassen ist es üblich, dass der Arztbesucher, vor allem bei „Billigkassen“ zunächst alles aus eigener Tasche bezahlen muss, was zu einem ganz anderen Kostenbewusstsein führt. Die Konsequenz daraus: Die Anzahl der Arztbesuche pro Kopf liegt in der Schweiz bei 3,9 während sie in Österreich bei 6,6 liegen. Und dennoch leben die Schweizer länger als die Österreicher. Nur in Japan ist Lebenserwartung noch höher. Lesen Sie mehr im aktuellen risControl