Zeit zum Dösen, Zeit zum Freuen

von Mario Passini

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Es gibt ja noch einige, es werden halt immer weniger, die sich noch daran erinnern, wie das damals war. Heute war es wieder einmal so weit. Wer aus dem Fenster „guckt“ zuckt unwillkürlich zusammen und denkt an Fliegeralarm. Nur der Blockwart schleicht sich durch die Gasse. Aber das ist so ungefähr an die achtzig Jahre her. Entwarnung. Heute ist es nur die Corona-Zeit. Was bin ich froh, dass die Regierung deren Beginn nicht mit Sirenengeheul gestartet hat. So sitzt man vor seinem allerengsten Beziehungspartner, nein nicht das „Schatzerl“, den Computer meine ich und erfahre in Echtzeit was es so auf der Welt gibt. Beispielsweise, dass die EU dem britischen Premier signalisier hat, falls es ihm genehm sei sollte könne man ja auch bis zum 28. Dezember verhandeln. Man hat sich schon so daran gewöhnt, dass man monatelang aneinander vorbeiredet.

Übern großen Teich hat der beliebteste Staatslenker aller Zeiten: „Ich bin´s euer Lieblingspräsident“, den Iran gerade mit so klitzekleinen Atombömbchen beschenken wollen. Ein Beherzter meinte, so was gehe doch zum Frühstück nicht. Der Knall sei zu laut. Der Bedenkenträger wurde gefeuert und ER zwitscherte, daran sieht man, man gönne ihm nicht die kleinste Freude und alle und Jedermann, besonders aber der von den „Dems“ (US-Abkürzung für die demokratische Partei), wolle ihm den Sieg stehlen. „Ultralinke“ Twitterer wagten Kritik. Worauf nachgedacht wurde Twitter zu verbieten. Und Facebook gleich mit dazu. Mark Zuckerberg und Jack Dorsey wurden erneut vorgeladen, um bei einer Anhörung vor dem Justizausschuss des US-Senats zu erscheinen, um „die Behandlung der Wahlen 2020 durch die Unternehmen zu überprüfen“.

Die Lenker dieser Social-Media-Giganten sind mit Vorsicht zu behandeln. Herr Zuckerberg weiß jetzt schon mehr über uns, als unser Geheimdienst je erfahren wird. Ok, kein Vergleich. Aber auch unsere Regierung hätte gerne das Wissen des Herrn Zuckerberg & Co. Die wissen wo man ist, wohin man sich gerade auf den Weg macht und vor welchem Etablissement man sein Wartezelt aufgestellt hat. In Singapur ist man gerade dabei ein konsequent durchgezogenes, digitales Kontaktnachverfolgungssystem zu installieren. Mit Bluetooth. Die Daten werden am Handy verschlüsselt gespeichert und nach drei Wochen automatisch gelöscht. Das zeigt wohin die Reise geht. Datenschutz ist also noch immer noch eine der Zukunftstechnologien. Was mit jenen geschieht die kein Handy haben, steht nicht im Stadtblatt. Hoffentlich wird es auch in Zukunft ein halbwegs normales Leben ohne Kontaktnachverfolgung geben. An die unzähligen Videokameras hat man sich ja ohnedies schon gewöhnt. Viele finden das sogar gut. Obwohl, ein Attentäter – ach, lassen wir das.

Man kann, realistisch gesehen, davon ausgehen, dass sich die Pandemiebekämpfung an der Kontaktnachverfolgung ausrichten wird. Neues wird´s nicht geben. Wir müssen uns selbst helfen, was heißt, bleib cool und Optimist. Bald können wir ein erstes Fensterchen am Corona-Weihnachtskalender öffnen. Ob das alleinerziehenden Müttern oder den sogenannten Solo-Unternehmen ein Trost ist sei dahingestellt. Fragt sich ja ohnedies wen das interessiert.
Es ist Zeit zum Dösen, da will ich über meinen Neid berichten. Der trifft die Murmeltiere am Großglockner. Die verfallen jetzt in den Winterschlaf. Eine gute Idee, aber wie realisieren? Bleibt nur der Aufruf, helfen wir uns selbst und seien wir weiter vorsichtig, denn wenn wir im Frühjahr das Licht am Ende des Tunnels sehen, könnte es noch immer nur ein Autobus sein. Möge es die Zeit zum Freuen sein.