Die Bedeutung von Bargeld…

von Vincenzo Fiore, CEO bei Auriga

…und Bankomaten in der heutigen Zahlungslandschaft

Bargeld und Bankomaten spielen in unserem Alltag immer noch eine wichtige Rolle, und das wird auch auf absehbare Zeit so bleiben. Die Banken dürfen allerdings Bankomaten nicht länger nur als reine Bargeldautomaten betrachten. Die große Chance, zu untersuchen, wie sich die Technologie im Sinne eines besseren Kundenerlebnisses weiterentwickeln lässt, blieb bislang ungenutzt.

Im Vergleich zu anderen Ländern wie der Schweiz, Deutschland oder den Niederlanden ist Österreich noch sehr gut mit Geldausgabeautomaten versorgt. Obwohl die Anzahl der Bankomaten in den letzten Jahren mit leichten Schwankungen stabil war, ist es nicht unwahrscheinlich, dass in naher Zukunft Automaten abgebaut werden. So geht bereits die Zahl der Bankomaten, die von der PSA (Payment Services Austria) im Auftrag der österreichischen Banken betreut werden, langsam zurück, während andere unabhängige Bankomatbetreiber aus dem Ausland Marktanteile gewinnen. Für Abhebungen verlangen sie allerdings Gebühren.

Bankomaten durch steigende Kosten bedroht

Auch wenn die Österreicher eisern am Bargeld festhalten, wachsen dennoch neue Bezahlformen wie das kontaktlose Zahlen mit NFC. Wie lange dauert der Bargeld-Boom in Österreich noch an? Die Bequemlichkeit digitaler Bezahlmethoden kann schließlich zum Verschwinden von Bargeld beitragen. Tatsächlich könnte der Gebrauch von Bargeld in einigen Ländern wie Schweden, wo es inzwischen nur noch zwei Prozent des Wertes aller Transaktionen ausmacht, bis 2021 komplett abgeschafft werden. Einer der Hauptgründe, warum wiederum Bankomaten vom Aussterben bedroht sind, liegt in den hohen und weiter steigenden Betriebskosten für die Automaten. Dennoch ist es zu früh, einen Nachruf auf den Bankomaten zu schreiben. Man könnte zwar meinen, die Technologie sei nicht mehr zeitgemäß, aber das stimmt nicht. Um es mit einem abgewandelten Zitat von Mark Twain zu sagen: Die Nachricht vom Tod des Bankomaten ist stark übertrieben.

Banken, die nicht in ihre Automaten investieren, laufen Gefahr, sich die Vorteile entgehen zu lassen, die die Technologie mit sich bringt – etwa die Verbesserung der Kundenbindung und die Schaffung neuer Möglichkeiten und Dienstleistungen. Die Banken sollten darum kämpfen, ihre Kunden zu halten, und der Zugang zu Bargeld ist eine Möglichkeit, dies zu erreichen.

Bargeld wird weiterhin Teil eines breiteren Angebots an Zahlungsmöglichkeiten bleiben

Der Gebrauch von Bargeld nimmt nicht generell ab. Man darf nicht übersehen, dass die Kunden bei der Erledigung ihrer Finanzangelegenheiten immer noch gern auf Bankomaten zurückgreifen. Beispielsweise werden laut dem Pymts Global Cash Index 75 Prozent aller Point-of-Sale-Transaktionen in West- und Osteuropa mit Bargeld abgewickelt. Bargeld verliert in Europa zwar seine Vormachtstellung, doch es wird weiterhin Teil eines breiteren Angebots an Zahlungsmöglichkeiten bleiben – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Zuverlässigkeit anderer Bankkanäle nach einer Reihe bekannt gewordener Ausfälle bei Online- und mobilen Bankdienstleistungen fragwürdig ist. Tatsächlich reichen die digitalen Kanäle häufig nicht an die Zuverlässigkeit und Sicherheit des Geldausgabeautomaten heran.

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