Die Berufshaft­pflicht­versicherung für Versicherungs­vermittler

von René Hompasz, MBA

René Hompasz, MBA
René Hompasz, MBA

Versicherungsvermittler sind fachkundige Marktteilnehmer und daher kann davon ausgegangen werden, dass diese ausreichende Erfahrung und Kenntnis in Bezug auf die eigene Berufshaftpflichtversicherung haben. Gemäß Erwägungsgrund 51 der IDD (Insurance Distribution Directive – RL (EU) 2016/97 „Versicherungsvertriebsrichtlinie“) sind die Aufklärungspflichten geringer, wenn es sich um die Versicherung eines beruflichen Risikos (das sind z. B. alle Berufsgruppen, die eine obligatorische Berufshaftpflichtversicherung abschließen müssen) oder um ein Großrisiko im Sinne von Artikel 13 Z 27 der Solvabilität II-Richtlinie (RL 2009/138/EG) handelt. In solchen Fällen kontrahieren zwei gleichwertige Vertragspartner (Versicherer und Versicherungsnehmer) – dies gilt umso mehr für Versicherungsvermittler im Zusammenhang mit deren eigener Berufshaftpflichtversicherung –, sodass von einem entsprechenden Fach- und Branchenwissen ausgegangen werden kann bzw. die Kenntnis und somit das Wissen der üblichen Marktusancen in den Versicherungsabschluss einfließen. In der Praxis zeigt sich, dass es sehr oft Fragen dazu gibt und teilweise das Bewusstsein für die Funktion der eigenen Absicherung (Berufshaftpflichtversicherung) nicht ganz klar ist.

Keine „automatische“ Kundenentschädigungseinrichtung

Gleich vorweg: die Berufshaftpflichtversicherung ist keine Kundenentschädigungseinrichtung, die Schäden, welche aus einem vom Versicherungsvermittler vermittelten Versicherungsvertrag nicht gedeckt sind, automatisch bezahlt. Grundvoraussetzung für eine Leistung aus der Berufshaftpflichtversicherung ist die Haftung des Versicherungsvermittlers, diese wiederum setzt ein Verschulden des selbigen voraus. Der Versicherungsvermittler wird aufgrund eines Beratungsvertrages mit dem Versicherungsnehmer tätig und haftet für etwaige Schäden aus einer nicht vertragskonform erbrachten Dienstleistung (Beratungsfehler). Diese Haftung kann durch haftungsreduzierende Maßnahmen, wie zum Beispiel der Verwendung von AGB und der darin erfolgten Einschränkung der persönlichen Haftung, oder einer dem jeweiligen Geschäftsfall angepassten Beratungsdokumentation reduziert werden. Sollte dennoch ein Fehler passieren, übernimmt die Berufshaftpflichtversicherung, im Rahmen der vertraglich vereinbarten Leistungen, die Abwehr unbegründeter und die Befriedigung begründeter Ansprüche. Der Versicherungsvermittler hat somit gegen den Versicherer einen Befreiungsanspruch. Und genau in diesem Fall, dem Schadenfall, wird vielen Versicherten klar, was versichert ist und was nicht. In weiterer Folge soll in kompakter und leicht verständlicher Form auf die nachfolgend angeführten Besonderheiten der Berufshaftpflichtversicherung für Versicherungsvermittler eingegangen werden.

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