„So sind wir nicht“

von KommR Rudolf Mittendorfer

Der Artikel, der im Standard erschienen ist, kann keinen Marktteilnehmer kalt lassen.
Bei aller Vorsicht betreffend journalistischer Sorgfalt und aller Rücksicht betreffend Beurteilung eines für mich zur Zeit nicht überprüfbaren Tatbestandes kann ich als Makler im 43. Berufsjahr nur wiederholen…“SO sind wir nicht“
Ich gehe davon aus, dass die Gewerbebehörde prüft, ob Entziehungsgründe für die Gewerbeberechtigung vorliegen…weder die Standesvertretung noch ich als Person kann das verfügen.
Des weiteren kenne ich weder die Anträge, noch die Polizzen, noch allfällige Nebenabreden, noch Beratungsprotokolle etc…ich kenne nur den Artikel und kann bestenfalls davon ausgehen, dass er stimmt, weiß es aber nicht.
Sie kennen ja den mittlerweile abgedroschenen Satz, den man trotzdem sagen muss: „es gilt die Unschuldsvermutung“!
Was aus dem Zeitungsartikel leider nicht hervorgeht ist, dass es natürlich rechtlich die Möglichkeit gibt, Versicherungsverträge weiterzugeben, den VN zu ändern etc..
Das Modell der „secondhand“ Polizzen hat ja genau das „strukturiert“ gemacht – und natürlich geht/ginge das auch im Einzelfall…aber wer weiß aus der Ferne was vereinbart wurde?
Ob die Abwicklung formal gepasst hat, kann nur die jeweilige Versicherung bzw. in der Kontrolle die FMA prüfen und beurteilen – wie sollte das irgendwer sonst tun können….es gibt ja Datenschutz?
Und ob die beschriebenen Vorgänge (straf)rechtliche Konsequenzen haben, das hat in einem Rechtsstaat das Gericht zu klären.
Was mich persönlich natürlich im höchsten Maße stört ist die Tatsache, dass unser Beruf derart „ins Gerede“ kommt.
Nehmen wir an, die Vorwürfe stimmen, dann handelt es sich schlicht und einfach um eine individuelle Fehlleistung.
So wie bei dem Richter, der Testamente zu seinem Gunsten verfälscht hat, so wie bei einem Rechtsanwalt oder Notar, der Treuhandgelder widmungsfremd verwendet hat, so wie bei einem Arzt, der bewusst falsch diagnostiziert hat, um eine teurere OP durchführen zu können.
Alle diese Fälle gibt es – und sie sind höchst unangenehm für die jeweilige Berufsgruppe und katastrophal für die Geschädigten.
Aber Sie haben nichts damit zu tun, dass es sich um ehrbare und wichtige Berufe handelt, die den Menschen dienen und nützen.
So ist es auch mit unserem Beruf als Versicherungsmakler.
Es gibt kaum einen Beruf, der so hohe rechtliche Anforderungen hat…IDD, Gewerbeordnung, IDD………etc..wir dienen unseren Klienten und sind diesen verpflichtet.
Wenn das im Einzelfall misslingt gibt es entweder entsprechende Haftungen, oder – so strafrechtlich relevant – das Gericht als zuständige Instanz.
Persönlich kann ich nur hoffen, dass diese Angelegenheit rasch aufgearbeitet wird….denn „maklerlike“ klingt das nicht.