So stell´ ich mir die Zukunft vor

von Georg Eisenzopf, akad.Vkfm.

Harry Leim ist einer, von dem die heutige Jugend auf Neudeutsch als taffen Typ sprechen würde. Erfolgreich in seinem Metier als Versicherungsmakler. Strebsam und von seinem Gelingen motiviert, bringt er sein Maklerunternehmen nach vorne. Er nennt es Ü&Ü-Makler GmbH – Übermut & Übernahme – und bei diesem gedachten Firmennamen wollen wir auch bleiben. Nichts ist erfolgreicher als Erfolg und deshalb gelingt ihm auch der nächste Coup. Er erwirbt vom alten Herrn Moser die „Altmaklerei“.  Pragmatisch und vorausschauend wie Harry nun einmal ist, erkundigt er sich – im Voraus – wie es denn rechtlich bei einer Firmenübernahme stehe. Es stehe gut, heißt es. Und so übernimmt Harrys Ü&Ü die gesamten Provisionsansprüche der hinzugekauften Altmaklerei.

In einem an jeden einzelnen Kunden der Altmaklerei versandten Schreiben stellt sich Harry als der neue Betreuer vor. Harry weiß, Kunden können es, so wie er selbst, nicht mehr hören, dieses hohle: „Was darf ich für sie tun?“ So schreibt er sich sein Mantra von der Seele, aufrichtig, genauso wie er es meint: „Ich brenne für meine Kunden“ und „Ich sorge für ein sicheres Dasein bis hin zu einem geruhsamen Lebensabend“. Zweifellos, Harry ist ein Meinungsberserker. Zufrieden denkt Harry, ja, so stelle er sich die Zukunft vor. Er weiß nicht, dass er sich gerade eine Schlinge um den Hals gelegt hat.

Harry denkt, aber das Schicksal lenkt. Heuer, 2019, kommt es zu einem Haftungsfall – verursacht 2015 von Mosers Altmaklerei. Harrys Ü&Ü teilt dem betroffenen Kunden mit, dass im konkreten Fall der Vorgänger, also die Altmaklerei, einzutreten habe. Diese habe in der betreffenden Haftpflichtversicherung überdies eine geeignete Nachhaftung vereinbart. Harry – und seine Company – könnten erst ab dem Zeitpunkt der Unterzeichnung der neuen Ü&Ü-Vollmacht tätig werden.

Achtung, Falle

Diese Auskunft gefällt dem Kunden gar nicht. Über seine Rechtsschutzversicherung holt er Rat bei einem Anwalt. Dessen Meinung überrascht Harry ziemlich unangenehm. Denn der Anwalt schreibt: „Die Übernehmer-Makler GmbH (also Harrys Ü&Ü) habe in vollem Umfang für den Schaden einzustehen, da es sich bei der Bestandsübertragung nicht um eine Rechtsnachfolge, sondern um eine Gesamtrechtsnachfolge handle. Beweis sei die Massensendung an alle Kunden mit diversen vorliegenden Mustern der Aussendung.Harry hat sich mit der Massensendung an alle Kunden der Altmaklerei selbst um den Einwand einer Einzelrechtsnachfolge gebracht. Der gegnerische Anwalt konnte diesen Beweis locker antreten. Harrys Schreiben – an alle Kunden – konnte sowohl innerhalb der Familie als auch bei Freunden des geschädigten Kunden nachgewiesen werden. Nein, denkt Harry ernüchtert und von Staunen ergriffen, so habe er sich die Zukunft nicht vorgestellt. Stimmt es also doch? Die Gerechtigkeit ist obdachlos? Lesen Sie mehr darüber im aktuellen risControl Ausgabe 11/2019