Technologietrends

Guidewire

Laura Drabik Guidewire Chief Evangelist

Laura Drabik, Chief Evangelist bei Guidewire Software, lässt die Auswirkungen der Pandemie auf die Versicherungsbranche Revue passieren und identifiziert drei technologische Trends, die für Versicherer auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft wichtig sind.

Vor fast genau einem Jahr begann die COVID-19-Pandemie, deren wirtschaftliche Auswirkungen auch die Versicherungsbranche hart getroffen haben. Eine Umfrage von EY unter deutschen und österreichischen Versicherern aus dem September 2020 zeigt, dass zwei Drittel der Befragten negative Auswirkungen der Krise auf das Branchenimage befürchten; fast 90 Prozent prognostizieren Probleme für das Neugeschäft.1

Doch die Studie macht auch deutlich, dass die Versicherer das positive Veränderungspotenzial, das in der Krise liegt, erkannt haben. Insgesamt 90 Prozent sehen in der Krise auch Chancen. So erwarten zum Beispiel knapp zwei Drittel der Befragten bei Versicherungen für Betriebsschließungen und Veranstaltungsausfall ein wachsendes Neugeschäft. Die Versicherer sind sich einig, dass die Pandemie einen Digitalisierungsschub gebracht hat. 60 Prozent erwarten infolgedessen eine Modernisierung des Vertriebs.

Vor diesem Hintergrund sollten Versicherer ein besonderes Augenmerk auf die folgenden Technologietrends legen, die an Dynamik gewinnen werden:

  1. Das Kundenerlebnis wird personalisierter – und proaktiver

Aufgrund ihrer Erfahrung mit digitalen Vorreitern wie Amazon, Google oder Apple erwarten die begehrtesten Kundensegmente heute hochgradig personalisierte, proaktive Interaktionen von jedem Unternehmen – auch von Versicherern. Kunden schätzen die Benutzerfreundlichkeit der Plattform-Riesen. Eine Bitkom-Studie aus dem letzten Jahr zeigt, dass jeder Dritte der befragten Konsumenten sich vorstellen könnte, eine Versicherung bei einem großen Digitalunternehmen abzuschließen.2

Versicherer müssen die Schnittstelle zum Kunden interaktiv und positiv besetzen, um zu vermeiden, als reine Risikoträger in den Hintergrund zu rücken. Über mobile Geräte, IoT, Smart-Home-Geräte oder persönliche Sprachassistenten können Versicherer ihre Kunden mit den richtigen Botschaften und Diensten zum richtigen Zeitpunkt ansprechen.

Ein Beispiel sind automatisierte, konversationsbasierte KI-Dienste, die den Abschluss von Policen so einfach machen, wie „Hey Siri“ zu sagen, und eine Schadenmeldung einzureichen so einfach wie das Fotografieren mit einem Mobiltelefon. Dazu gehört auch der Einsatz von Big Data und Predictive Analytics, um Modelle für individuelle und anpassbare Versicherungen zu entwickeln, die darauf ausgelegt sind, den Kunden dauerhaft Zeit- und Kostenersparnis zu bringen.

So nutzen beispielsweise immer mehr Versicherer Telematiklösungen, um Prämien für Autoversicherungen auf Basis der tatsächlich gefahrenen Kilometer und der persönlichen Fahrgewohnheiten des Versicherungsnehmers zu ermitteln. Telematik resultiert in schlankeren Vertriebsmodellen, da weniger Tarifmerkmale nötig sind, während gleichzeitig die Risikodifferenzierung steigt. Ein weiteres Beispiel für parametrische Versicherungen ist der Einsatz von Sensortechnologie im Haus, die etwa eine Policenanpassung der Einbruchs­schutzversicherung erlaubt, je nachdem ob der Kunde zuhause ist oder nicht.

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