Weiterbildungs­verpflichtung – das unbekannte Wesen ?

Helmut Bauer

Es sollte eigentlich keinen Versicherungsvermittler in Österreich geben der das Wort „Weiterbildungsverpflichtung“ nicht kennt. Auch der zu erfüllende Stundensatz müsste jedem bekannt sein. Die letzten Jahre waren geprägt vom Thema Weiterbildung und Höhe der Stundenanzahl, wer geschult werden muss, von wem und wer es auf keinem Fall tun darf. Was benötigt wird um die Anrechnung auf das, nennen wir es IDD-Schulungskonto, zu erhalten. Ein Jahr Information von allen Seiten, kein Fachmedium hat sich dem Thema verschlossen. Bei vielen Vorträgen wurde auch immer wieder darauf hingewiesen, dass Gewerbebehörden darauf achten werden, dass die Weiterbildungsverpflichtung erfüllt wird. Nun ein neues Jahr, eine neue Möglichkeit und man glaubt es kaum. Es wird nun seitens der Gewerbebehörde die Erfüllung der Verpflichtung überprüft. Ein höfliches Schreiben mit der Bitte den Nachweis zu erbringen ist in den letzten Wochen sowohl an Versicherungsmakler als auch Versicherungsagenten ergangen. Noch nicht in allen Bundesländern, aber von einigen wissen wir es bereits sicher. Also dürfte man annehmen, aufgrund der vielen Informationen, dass die Nachweiserbringung kein Problem sein kann. Mitnichten, es gibt „Einzelfälle“ die dieser Aufforderung nicht nachkommen können. Die ihre Weiterbildungsverpflichtung in dem doch sehr geringen Ausmaß nicht erfüllt haben. Bei einer Jahresarbeitszeit von ca 2.000 Stunden. (5 Tage die Woche ca 8 Stunden am Tag) und einer Aufwandzeit für die Weiterbildung, 15 Stunden Nettoinformation, 3 Stunden Anfahrt 2 Stunden Mittagessen, beträgt der Aufwand der zu erfüllenden verpflichtenden Weiterbildung 1 Prozent. Und die Ausrede, davon habe ich ja überhaupt nichts gewusst, die zu hören schmerzt fast körperlich.

Fachgruppenobmann der burgenländischen Versicherungsmakler Helmut Bauer hat uns folgendes Statement zur Veröffentlichung überlassen:

War es Verantwortungslosigkeit oder verantwortungslose Bequemlichkeit?

Aktuell werden von burgenländischen Gewerbebehörden Aufforderungen an die Kollegenschaft verschickt, Nachweise für die gesetzlich vorgeschriebene Weiterbildung im Jahr 2019 zu übermitteln.
Eigentlich sollte man meinen, dass diese wohl einfachste aller Anforderungen (anmelden/reinsetzen/zuhören/Bestätigung ausfassen/ passt!) aus der IDD im Nu erledigt ist und die Behörden rasch mit zufriedenstellendem Nachweis versorgt sind.

Irrtum! Hier (und bestimmt in ganz Österreich) gibt’s tatsächlich Kolleginnen und Kollegen die das nicht können. Weil sie eben nicht genug Stunden nachweisen können, sie sich für ihre Weiterbildung einfach nicht interessieren.

Aufgrund der Nichterfüllung der Weiterbildungsverpflichtung könnte es im schlimmsten Fall zum Entzug der Gewerbeberechtigung kommen. Nun: Sind der Entzug der Gewerbeberechtigung, der Verlust der Einkommensquelle, Ereignisse, die man nur sich selber und der eigenen Familie gegenüber zu rechtfertigen hat? Bestimmt nicht!
Warum? Na zum Beispiel weil ich schon gespannt bin, was Christoph Berghammer und Co. – vor dem Hintergrund solcher „Verantwortungslosigkeit“ – in Wien und Brüssel gegen die Argumente jener Konsumentenschützer ausrichten werden, die schon wieder für ein Provisionsverbot für ungebundene Berater eintreten.

Der Fachverband der Versicherungsmakler hat – um eben diese Situation zu vermeiden, – keine Mühe (und auch keine Kosten) gescheut. So sind insgesamt 8 Mitgliederinformationen (inkl. Lehrplan und Erläuterungen) verschickt worden. Sind 2 Sondernewsletter zum Thema erschienen, 17 Beiträge in Newslettern verfasst worden. Dazu weitere 15 Beiträge in unserer Fachzeitung „Der Versicherungsmakler“. Es wurde 6-mal einschlägig auf Facebook gepostet. Darüber hinaus wurden 2 Veranstaltungen mit aller möglichen Information zum Thema IDD und deren Erfordernisse organisiert. Als Draufgabe hat der Fachverband auch noch einen hervorragenden Leitfaden in Buchform herausgegeben.
Sämtliche Versicherungsmakler Fachgruppen in allen Bundesländern haben ausreichend Seminartage angeboten um jedenfalls genügend Stunden zur Erfüllung der Weiterbildungsverpflichtung zu sammeln. Und neben den Fachgruppen gab es unzählige österreichweite Anbieter, die tadellose Weiterbildungsseminare angeboten haben. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Vorgaben zu erfüllen.

Sorry Leute, aber was ihr, die ihr euch da zu recht angesprochen fühlt, gemacht habt, schadet nicht nur euch und euren Familien. Es schadet ganz bestimmt allen, die diesen Beruf ausüben und sich an die Regeln halten.

War es Verantwortungslosigkeit oder verantwortungslose Bequemlichkeit?