Gegen Allmacht

von Mario Passini

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Die Europäische Kommission will gegen die Marktmacht von Amazon vorgehen, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Brüssel. Besonders die Allmacht bei Daten ist der Kommission ein Dorn im Auge. Amazon wird vorgeworfen die Daten aus seiner Plattform, dem sogenannten „Warenhaus der Welt“, zu missbrauchen um eigene Produkte zu bevorzugen. Dagegen leitet die EU-Kommission nun ein Wettbewerbsverfahren ein. Erste Amazon missbrauche seine Marktposition in Deutschland und Frankreich. Das hätten Untersuchungen hergeben. Diese Praxis, eigene Produkte zu bevorzugen, ist als Self-Preferencing bekannt. Amazon nutzt nach Berichten die Daten auf seiner Plattform dazu, um neue Produkte zu entwickeln und seine Konkurrenten preislich zu unterbieten.
Die EU-Kommission meint weiters, Amazon sammle in Echtzeit Daten von über 800.000 Verkäufern und mehr als einer Milliarde Produkte auf seiner Plattform. Diese Daten nutze Amazon in der EU, um automatisiert den Preis eigener Produkte anzupassen und neue Produkte auf den Markt zu bringen. „In diesem Fall geht es um Big Data“, so Vestager. Die Kommission hat eine Mitteilung an Amazon versandt, wonach der Konzern die Nutzung von Händlerdaten vorläufig vermeiden soll. Gewisse Regeln würden künstlich jene Verkäufer begünstigen, die Amazons konzerneigene Lieferinfrastruktur verwendeten, so die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Damit stärke Amazon seine Marktmacht weiter.
Den neuen Ermittlungen gegen Amazon wegen seiner Marktpraktiken zufolge gehen Voruntersuchungen der EU und Untersuchungen in Deutschland und Österreich voraus. Nach Berichten erwägt die Kommission, die Selbstbevorzugung am eigenen Marktplatz in eine schwarze Liste verbotener Praktiken aufzunehmen. Das ist allerdings noch ferne Zukunftsmelodie. Und wird erst in ein paar Jahren als Teil des Digitale-Dienste-Gesetzes Realität werden. (Quelle Handelsblatt)