Gehudelt?

Groß Britannien

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Die Brexiteers, die “Leaves“, könnten bald eine Minderheit im Land sein. Egal, sie haben vier Regierungsjahre eine bequeme Mehrheit im Unterhaus. Sie wollen so schnell wie möglich raus aus der EU. Man will die „Sklaven-Fesseln“ der EU los werden. Allein will man sein, selbstbestimmt und stolz sowieso. Nix mehr EU. Vielleicht war man doch etwas zu schnell mit dem Fesseln abstreifen? Im Drang nach Freiheit von der EU scheint man übersehen zu haben, dass im Kleingedruckten des Brexit Financial Settlement – Widerrufsabkommen (WA. Art. 50 des Vertrags über die Europäische Union) – das ist das „Scheidungsdokument“ – eine Klausel geschrieben steht, wonach Großbritannien weiterhin im „Kreditbuch der EU“ eingebunden ist. Dem hat Premier Johnson (seinerzeit) zugestimmt. Ob er das WA ganz gelesen hat?
Ian Duncan Smith, ein leidenschaftlicher Euroskeptiker, beschwert sich wieder einmal über den Brexit-Deal. Obwohl er im Unterhaus dafür gestimmt hat. Er will endlich die EU-Fesseln los sein. Schnell. Nicht nur aus ethischen Gründen. Ian Duncan Smith: „Denn während Großbritannien ein gutes Handelsverhältnis mit der EU als souveränem Staat haben will, hat die EU andere Ideen“, schimpft er. „Sie wollen unser Geld und sie wollen uns davon abhalten, ein Konkurrent zu sein. Das Widerufsabkommen (WA), dass wir letztes Jahr unterzeichnet haben hilft ihnen, leider.“ Spät aber doch scheint Duncan Smith draufgekommen zu sein, dass mit dem einvernehmlich geschlossenen Widerrufsabkommen (WA) Großbritannien eine (rund) 160 Milliarden Pfund-Verpflichtung eingegangen ist. Großbritannien war/ist Teilnehmer an der Europäischen Investitionsbank und dem Europäischen Finanzstabilitätsmechanismus. „Foul“: Das gilt nicht, sagen die Brexiteers. Ja, vor langer, langer Zeit sagte man „pacta sunt servanda“. Doch wen interessiert heute noch meine Zustimmung von gestern. Der Ausgang wird spannend.
Quelle: The NewEuropean