Österreich ist verwundbar

Österreichische Hagelversicherung

April und Juni waren die wärmsten Monate seit Beginn der Messgeschichte Österreichs. Während die Trockenheit mit einem Niederschlagsdefizit von bis zu 80 Prozent insbesondere im Norden Österreichs ein Thema war, haben der Süden und Osten unter zum Teil katastrophalen Unwettern mit Starkniederschlägen, Überschwemmungen und Hagel gelitten. Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft schlägt sich bis dato mit rund 110 Millionen Euro zu Buche. Betroffen sind alle landwirtschaftlichen Kulturen. Aber nicht nur Wetterkapriolen machen den österreichischen Landwirten zu schaffen. Österreich ist auch durch den Bodenverbrauch unheimlich verwundbar. Die Österreichische Hagelversicherung hält dazu mehrmals jährlich Nachhaltigkeitsfrühstücke ab, wo Experten die Situation in Österreich aus ihrer Sicht beleuchten. Bei der Veranstaltung im Juni warnte der oberste Militär-General Othmar Commenda: „Österreich und die EU sind durch Massenmigration, Terrorismus, Cyber-Bedrohung und Bodenverbauung zunehmend betroffen, doch schaut die Politik europaweit weg.“ Der Noch-Generalstabschef beantwortete die Frage „Ist Österreich in Gefahr?“ zwar mit ruhiger Stimme, doch ist seine Analyse alles andere als beruhigend. Es gibt vier Bereiche, in denen tagtäglich Symptome spürbar sind. Doch europaweit verschließt man die Augen vor diesen Herausforderungen.

Bedrohung Nummer eins: Terrorismus. „Wenn heute in Wien etwas passieren würde, wären wir völlig überfordert, weil wir nicht darauf vorbereitet sind“, warnt Commenda. Das Thema Terrorismus werde laut dem General in Europa weitgehend negiert.

Bedrohung Nummer zwei: Cyberattacken. Das Bundesheer ist jede Woche mit 1,5 Millionen Angriffen auf sein Netz konfrontiert. Dennoch werden die Ressourcen, die im Bereich Cyberspace nötig wären, nicht aufgestockt. „Wer wollte, könnte die Republik Österreich über Nacht ausknipsen“, ist er überzeugt. Das Bundesheer ist mit rund 15 Experten in dem Bereich ausgestattet. „Nötig seien hier aber eher Hunderte“, so Commenda.

Bedrohung Nummer drei: Migration. Die Migration ist für Europa ein Megathema. Doch genau hier schaut man weg. „Das, was wir 2015 erlebt haben, war nur ein kleines Vorbeben. Das Hauptbeben kommt in den nächsten 15 bis 20 Jahren“, sagt Commenda. Laut Schätzungen wird sich allein die Bevölkerung Afrikas bis 2050 auf 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln. Das wird zu Ressourcenknappheit führen, die wiederum mehr Migration zufolge haben wird.

Bedrohung Nummer vier und zugleich die größte Bedrohung von allen: Flächenfraß. „Wir betonieren unsere schöne Natur zu“, warnt Commenda. „Das Wasser kann nicht mehr versickern.“ Und so kommt es zu Überflutungen in Ortschaften. „Es heißt dann, das ist der Klimawandel, aber nein, das waren wir selber.“ Er kritisiert, dass Wiesen und fruchtbare Äcker immer mehr abnehmen.

Bodenverbrauch bedeutet Verlust der Ernährungssouveränität. Im Ernstfall würde das für Österreich bedeuten, dass 3,1 Millionen österreichische Bürger nach drei Tagen ohne Wasser und Strom keine Nahrungsmittelvorräte mehr hätten. „Daher muss auch die Lebensmittelversorgung im eigenen Land entsprechende Priorität haben. Und das geht nur mit ausreichend Agrarflächen. Alles andere bedeutet Abhängigkeiten“, so Commenda. Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung: „Wer über Ressourcen wie Böden verfügt, ist in einer besseren Lage als derjenige, der sich Ressourcen beschaffen muss. Das wird zwangsläufig zu machtpolitischen Verschiebungen führen. Profiteure sind jene, die über Ressourcen wie ausreichend Böden verfügen. Es ist daher notwendig beim Bodenverbrauch rasch eine Trendumkehr herbeizuführen. Nur so können wir unseren zukünftigen Generationen einen einzigartigen Lebensraum weitergeben, Abhängigkeiten bei der Lebensmittelversorgung vermeiden, sowie einen Beitrag zu Frieden und Sicherheit leisten.“