Souveränität muss man sich leisten können?

©Pixelbliss - stock.adobe.com

Am dritten Tag der – vorerst letzten – Verhandlungsrunde zwischen EU und Großbritannien tritt die Besorgnis bei den Brexit-Verhandlungen über einen No-Deal-Kurs der britischen Regierung in den Vordergrund.
Eine YouGov-Umfrage der Times ergibt, dass jetzt 50% (der „Engländer“) zustimmen, dass „Großbritannien im Nachhinein falsch lag, für den Austritt aus der Europäischen Union zu stimmen“. Nur noch 39% unterstützten die Entscheidung – ein Rekordvorsprung für „falsch“ gegenüber „richtig“ und eine signifikante Verschiebung von 48% falsch – 43% richtig, als YouGov Anfang September dieselbe Frage stellte.

Das hilft Präsident Johnsons gar nicht. Am dritten Verhandlungstag gab es eine (kaum merkbare) Bewegung auf britischer Seite. Großbritannien bietet der EU eine Übergangsfrist von drei Jahren an, damit seine Fischereiflotten ab 2021 die britischen Meere verlassen können. Das ist aber nicht das, was sich die EU vorstellen kann. Unverzüglich bekam die britische Regierung ihre Prügel. Mit heftigen Protesten agiert die britische Fischerei gegen diese Kapitulation. Und der bekannt wüstete Schimpfer im EU-Parlament – Nigel Farage – drohte sofort: „Eine dreijährige Übergangsfrist für europäische Fischereiflotten sei „nicht das, wofür ich mich eingesetzt habe“. Weiters sagte er: „Der britische Fischer habe vier Jahre auf völlige Freiheit gewartet.“

Noch schlimmer geht es im WEB zu. Die gelindeste Ansage lautet: „Macht den Brexit nicht völlig sinnlos“. Gleichzeitig wurde bekannt, dass auf die britische Autoindustrie erhebliche Mehrkosten zukommen. Und zwar egal ob es einen Brexit gibt oder nicht. Die britische Presse ist sich in der Beurteilung der aktuellen Situation einig: Der No-Deal-Brexit nimmt Fahrt auf. Die britische Regierung hingegen meint: Souveränität muss man sich leisten können.

Zeitgleich wird bekannt, dass der (kommende) EU-Chef für den Bereich Finanzdienstleistung zu Reuters sagte (Auszug): Dass es ab Januar erhebliche Änderungen bei den Finanzdienstleistungen zwischen Großbritannien und der EU geben werde, unabhängig davon, ob die Gespräche zwischen Großbritannien und der EU zu einem Freihandelsabkommen führen. Und weiter: „Es wird nicht wie gewohnt weitergehen, da britische Finanzdienstleistungsunternehmen auf jeden Fall den Vorteil des Finanzdienstleistungspasses verlieren werden.“