UNIQA 3.0 fordert Opfer

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Die UNIQA hat diese Woche bekanntgegeben, dass sie sich in den nächsten zwei Jahren von 600 Mitarbeitern trennen will. Diese Entscheidung ist eingebettet in das große Strategieprogramm UNIQA 3.0, dass den Versicherungskonzern für die nächsten Jahre wettbewerbsfähig halten soll.

von Mag. Christian Sec

Die Pressekonferenz der UNIQA stand ganz im Zeichen des neuen Strategieplans UNIQA 3.0 und der Ad-hoc-Meldung, in der der Konzern ankündigte 600 Stellen in Österreich in den nächsten beiden Jahren zu streichen. Die Personaleinsparungsmaßnahmen sollen in den nächsten beiden Jahren durchgeführt werden. Die Kürzungen im Personal werden jeden Vorstandsbereich gleichermaßen treffen, wie Andreas Brandstetter, Vorstandsvorsitzender der UNIQA erklärt. Von den betroffenen 600 Mitarbeitern werden rund 150 Mitarbeiter nach natürlichem Abgang nicht nachbesetzt. 450 weitere Stellen werden in den kommenden 24 Monaten reduziert. Von den 105 Geschäftsstellen in ganz Österreich werden 35 geschlossen. Für das heurige Jahr wurden für den Standort Österreich Rückstellungen im Wert von 110 Mio. gebildet darin sind Aufwendungen von 95 Mio. Euro für einen Sozialplan enthalten. Der UNIQA CEO begründet die Maßnahmen nicht nur mit der zuletzt stark angestiegenen Kostenquote von 27 Prozent – Hintergrund dafür sind die anhaltend hohen Kosten im Bereich der Regulatorik und Data, sondern auch mit den disruptiven Veränderungen, die derzeit in der Wirtschaftswelt stattfinden und auch zum neuen Strategieplan UNIQA 3.0 geführt haben. Auch wurden Wertminderungen auf Firmenwerte in Serbien, Bulgarien und Rumänien vorgenommen, in der Höhe von rund 100 Mio. Euro. Dieser Wert, sowie die Rückstellungen von 110 Mio. Euro werden einmalig das Gesamtjahresergebnis der UNIQA in diesem Jahr belasten.

UNIQA 3.0

Die zentrale Ausrichtung des Strategieplans liegt in der Digitalisierung & Innovation. Durch die Investitionen in diesen Bereich werden viele Arbeitsplätze nicht mehr gebraucht, so Brandstetter. Andere Arbeitsplätze wiederum sollen geschaffen werden. „Wir brauchen neue Fähigkeiten im Unternehmen. Daher suchen wir 100 Stellen im Bereich Data & IT, um auch teure Sachkosten durch günstigere interne Personalkosten zu ersetzen“ so Brandstetter. „Data ist das neue Gold“, so der UNIQA-Chef. „Wir brauchen genaue Kundendaten, um den Kunden auch maßgeschneiderte Produkte anbieten zu können“. Der neue Strategieplan will die bestehenden Geschäftsmodelle deutlich vereinfachen und standardisieren und damit auch das Backoffice entlasten, um in weiterer Folge in diesem Bereich die manuellen Eingriffe und die Mitarbeiterzahl zu reduzieren. Während bestehende Geschäftsmodelle produktiver und schlanker gemacht werden, wird auf der anderen Seite mit zwei disruptiven Geschäftsmodellen neues Terrain beschritten. Eines davon ist Cherrisk ein Startup, dass die UNIQA in Ungarn gegründet hat und mit dem die UNIQA nach Deutschland und Westeuropa expandieren will. Die digitale Versicherung wurde 2018 in Ungarn gelauncht und ist in Ungarn tätig. Das Angebot enthält Reise-, Haushalts- und Unfallversicherungen. „Wir schauen, ob es in Deutschland funktioniert, wenn es klappt ist es vorstellbar auch in andere Länder zu expandieren.“ SanusX wurde von der UNIQA in Österreich im April dieses Jahres gegründet und bietet medizinische Betreuung (mentale Gesundheit, agiles Altern, Primärversorgung) für Mitarbeiter von Unternehmen an. Wir haben gesehen, dass gerade in der Pandemie die Kunden ihre Gewohnheiten stark geändert haben. Mittlerweile beträgt der Prozentsatz von Schadensabwicklungen über die App bereits um die 50 Prozent, so Brandstetter. Daneben sollen auch versicherungsferne Geschäftsbereiche in Zukunft eine Rolle spielen.

Operative Ziele

Operative Ziele für die UNIQA sind vor allem den Gesamtkostensatz auf 25 Prozent zu drücken. Konkret erklärt Kurt Svoboda, CFO der UNIQA, dass die Kostenquote ohne Provision in Österreich von 15 auf 12 Prozent bis 2025 gesenkt werden soll. International soll dieser Wert von 20 auf 18 Prozent zurückgehen. Die Combined Ratio soll von derzeit rund 96 Prozent auf 94 Prozent gesenkt werden, bis 2025. Ein weiterer Punkt ist die Kundenzufriedenheit, die auf den Internetplattformen gemessen werden soll, und durchschnittlich in den nächsten fünf Jahren 4,5 Sterne betragen soll. Mit der Einführung des Makler Daten Service OMDS 3.0 soll auch der Maklervertrieb effizienter ablaufen. Nachdem für 2020 das Unternehmen keine Dividende ausschüttet, plant es für 2021 wieder eine Ausschüttung an seine Investoren. Dabei sieht Brandstetter keinen Widerspruch von Dividendenausschüttung und Personalkosteneinsparungen.