Wenn das Virus „nicht mehr“ vor der Türe steht!

Tagebuch

Covid-19-Quarantäne und Ausgangsbeschränkungen sind Worte, die wir jetzt alle kennen. Die Ausgangsbeschränkungen, die Beschränkungen in Spitälern und bei Untersuchungen begleiten uns schon seit Mitte März und anscheinend werden sie auch noch einige Zeit andauern. Was macht es aber mit einem Versicherungsmaklerbüro und seinen Kunden, wenn das Virus nicht nur vor der Türe steht, sondern sich plötzlich mitten im Büro wiederfindet? Stehen die Kunden weiterhin zu ihrem Versicherungsmakler, gibt es von allen Seiten Verständnis und Solidarität? Oder lebt man Solidarität nur applaudierend am Balkon stehend. Das Tagebuch und ein Tatsachenbericht eines Versicherungsmaklers, der mit der Situation Covid-19 hautnah in Kontakt gekommen ist:

Name des Versicherungsmaklers ist der Redaktion bekannt, wird aber aus verständlichen Gründen nicht genannt.

23. Juni 2020

Im Versicherungsbüro arbeiten 18 Personen, davon sind zwei auf Urlaub, zwei an diesem Tag krankgemeldet und 14 anwesend. Beide krankgemeldeten Personen wünschen sich einen Corona-Test, welcher aber nicht bewilligt wird, auch weil der Hausarzt ihn für nicht notwendig erachtet, denn die Diagnose lautet Sommergrippe.

24. Juni 2020

Eine der krankgemeldeten Personen muss drei Mal bei 1450 anrufen, bis ihm der Telefonist die Bewilligung erteilt, dass er testen gehen kann. Gemäß Eigenbeobachtung der erkrankten Person ist das keine normale Grippe.

25. Juni 2020

Covid-19 ist da, die Person wurde positiv auf das Virus getestet. Der Makler ist beruhigt, da die Person weder im Empfangsbereich noch in der Kfz-Anmeldestelle gearbeitet hat.

Der Geschäftsführer des Versicherungsmaklerbüros bittet die andere krankgemeldete Person dringlich so oft bei 1450 anzurufen, bis auch diese zum Test zugelassen wird. Erste Kunden rufen an und fragen, ob das Gerücht stimme, dass im Versicherungsmaklerbüro jemand positiv getestet worden sei.

26. Juni 2020

Der zweite Covid-19-Fall wurde positiv getestet. Im Büro bricht Panik aus. Jeder will getestet werden, aber nur jene, die Halskratzen oder Schnupfen haben und einen direkten Kontakt mit den infizierten Personen hatten, werden zum Test zugelassen (sechs Personen).

Erste Autohäuser sprechen für ihre Bediensteten ein Betretungsverbot des Versicherungsmaklerbüros und der mitverbundenen Anmeldestelle aus. Die ersten erbosten Anrufe gehen ein: „Wie kann das nur passieren, wie schlampig muss das Versicherungsmaklerbüro nur sein“. Ein Mieter in dem Gebäudekomplex droht mit Schadensersatzklage, wenn seine Mitarbeiter auch an Covid-19 erkranken würden.

27. Juni 2020

Die Behörde entschließt sich dazu, alle Personen vom Maklerbüro zu testen.

27./30. Juni 2020

Die Testergebnisse laufen ein.  Alle negativ!

29. Juni 2020

Kunden melden sich beim Versicherungsmaklerbüro und beschweren sich darüber, dass die Behörde sie nicht testen würde, es sei denn, das Versicherungsmaklerbüro stellt eine Bestätigung aus, dass der Kunde in direktem Kontakt mit den erkrankten Personen stand. Da dies nicht der Fall war, konnte der Makler diese Bestätigung nicht ausstellen, daraufhin kündigte ein Kunde die Maklervollmacht.

Ergebnis der Testungen

  • 2 Covid-19-Erkrankte: 14 bis 21 Tage Quarantäne
  • 9 in Quarantäne-Stufe 2: 7 bis 10 Tage Quarantäne
  • 6 in Quarantäne-Stufe 1: 14 Tage Quarantäne
  • 1 anwesend im Office mit Kontaktverbot

Lockdown

30. Juni 2020

Nach dem Lockdown – Wiederinbetriebnahme von Homeoffice, Anmeldestelle mit Aushilfspersonal besetzt, Tagesgeschäft aber nur erschwert möglich, da das Aushilfspersonal keinen Bezug zu den Kunden hat. Viele Autohäuser sind Kunden der Anmeldestelle und des Versicherungsmaklerbüros und setzen langjähriges Wissen über ihre Wünsche voraus. 

Inzwischen 17 Vollmachtskündigungen aus Angst der Kunden, sich mit Covid-19 angesteckt zu haben. Aber auch wegen Verärgerung über die Vorgehensweise in der Information und Verärgerung über die Unwilligkeit des Maklers. Man wirft dem Versicherungsmakler vor, keine Kontaktbestätigungen für Kunden auszustellen, die aber zwingend notwendig wären, um an einem Test teilnehmen zu können. Es konnten die Kontaktbestätigungen aber nicht ausgestellt werden, da die Kunden mit diesen infizierten Personen keinen Kontakt hatten. 

Das Resümee: Solidarität ist besser am Balkon applaudierend wahrzunehmen, als im Krisenfall seinem Versicherungsmakler zu zeigen. Natürlich hat der Versicherungsmakler auch Kunden, die in der Krise sehr wohl zu ihm gestanden haben. Nur jeder Einzelne, der seine Vollmacht aufgrund der Ereignisse rund um Covid-19 gekündigt hat, sollte sich schämen. Bedanken möchte sich der Versicherungsmakler an dieser Stelle bei allen, die ihm und seinen Mitarbeitenden in der Krise zur Seite gestanden sind. Auch bei der Behörde und den Mitarbeitern im Krisenteam. Diese waren professionell, hilfsbereit, freundlich und haben dann rasch entschieden, mit dem notwendigen Verständnis. Zitat des Geschäftsführers: „Vielen lieben Dank, ihr seid unsere ‚Helden‘“.