Klimaschutz kann nicht warten

Gallup

Mag. Dr. Andrea Fronaschütz COO/ Gesellschafterin

Der jüngste Gallup Corona Barometer zeigt, dass die Sorge um die wirtschaftliche Lage deutlich gestiegen ist. Während vor einem Jahr 41 Prozent der Österreicher der Meinung waren, die Maßnahmen zur Pandemiebewältigung werden zu massiven wirtschaftlichen Folgen führen, sind es mittlerweile 65%. Deutlich verschlechtert hat sich auch die Einschätzung der Coronapolitik: Im November 2020 hatte Österreich aus Sicht von 42% der Befragten mehr Erfolg bei der Krisenbewältigung als andere EU-Länder, aktuell beträgt dieser Anteil 28%. 

Dass Österreich durch die Krise einen größeren wirtschaftlichen Schaden erlitten hat als die meisten anderen Staaten in der EU, liegt für die Österreicher in erster Linie daran, dass das Land stärker vom Tourismus abhänge (67%) und dass durch Onlineshopping viel Geld ins Ausland abgeflossen sei (58%). 48% sehen die schlechte Wirtschaftslage darin begründet, dass sich die Österreicher zu wenig an die Corona-Maßnahmen gehalten haben, 45% im planlosen Handeln der Regierung. Nur 25% führen die derzeitige Wirtschaftslage auf die mangelnde Ausgabebereitschaft zurück.

In Bezug auf die Bewältigung der Krise sprechen sich 46% der Österreicher dafür aus, nur zukunftsfähigen Unternehmen aus der Krise zu helfen und gleichzeitig Innovation und neue Geschäftsmodelle zu fördern. Lediglich 27% sind der Meinung, man solle bestehende Unternehmen ohne Einschränkungen durch staatliche Finanzierungshilfen retten. 11% der Befragten meinen, die Wirtschaft regle sich von selbst. Die Zustimmung zu einer gezielten Unterstützung von Unternehmen und Innovationsförderung liegt, ausgenommen FPÖ, bei Sympathisanten aller Parteien über 50%. Die FPÖ-Affinen bevorzugen hingegen zu 46% eine Staatshilfe nach dem Gießkannenprinzip.

Den wirtschaftlichen Neustart mit einer Bekämpfung des Klimawandels zu verbinden, halten 47% der Österreicher uneingeschränkt für sinnvoll. Weitere 34% können dieser Strategie durchaus etwas abgewinnen, wenn Umweltauflagen die Wirtschaft nicht behindern. Rund ein Fünftel bevorzugt andere Bewältigungsstrategien oder hat dazu keine Meinung. Abhängig von der Parteiaffinität ergeben sich bei diesem Thema große Differenzen: Während die Anhänger der Grünen (80%), der SPÖ (61%) und der NEOS (59%) mehrheitlich zum uneingeschränkten Green Deal tendieren, ist ein nachhaltiger Wiederaufbau für die Mehrheit der ÖVP- und FPÖ-Affinen nur dann vertretbar, wenn er die Wirtschaft nicht beeinträchtigt (47% und 41%). „Die hohe Zustimmung zum Green Deal als Strategie zur Rezessionsbekämpfung liegt in mehreren Entwicklungen der letzten Monate begründet: Bei immer mehr Menschen entsteht das Gefühl, dass es keine Rückkehr zum Status Quo geben wird, gleichzeitig ist die Zukunft ungewiss. Da sich die bisherigen Bewältigungsmechanismen als unzureichend erweisen, ist die Offenheit für neue Perspektiven groß“, kommentiert Andrea Fronaschütz, Leiterin des Österreichischen Gallup-Instituts. Aktuell gehen 44% der Österreicher davon aus, dass COVID-19 die Welt grundlegend verändern werde, im April 2020 waren es 33%.

43% der Österreicher sind der Meinung, dass Klimaschutz trotz Corona-Krise nicht warten könne und sofort ein Schwerpunkt unseres Handelns werden müsse. Weitere 32% orten einen Handlungsbedarf, aber erst nach der Krise, 13% gehen davon aus, dass die Natur sich von selbst erholen werde und 6%, dass es bereits zu spät sei, den Klimawandel zu stoppen. „Obwohl viele Menschen unter den Einschränkungen des Lockdowns leiden, ist die Sorge um den Klimawandel nicht kleiner geworden. Vielmehr hat die Krise das Bewusstsein für Nachhaltigkeit geschärft. Diese schlägt sich in vielen Lebensbereichen nieder, etwa der Mobilität, dem Einkaufsverhalten, dem Konsumverhalten als Ganzes. Die Krise ist ein Katalysator für den Wirtschaftswandel“, fasst Fronaschütz zusammen.