20. Virtueller Vorlesungstag

Universität Leipzig

Aufgrund der besonderen gesellschaftspolitischen Umstände lud das Institut für Versicherungswissenschaften e.V. zum virtuellen 20. Vorlesungstag an der Universität Leipzig ein.

Es war die erste große Veranstaltung der Branche, die rein digital über Video Streaming stattfand. Eine Chatfunktion bot die Möglichkeit sich inhaltlich einzubringen und Fragen zu stellen, die vom Moderator Prof. Dr. Fred Wagner an die Redner weitergegeben wurden. Renate Wagner, Mitglied des Vorstands der Allianz SE, eröffnete mit einem Beitrag zum „Leadership in Zeiten von demografischem Wandel und Digitalisierung – Ansatzpunkte und Herausforderungen“. Erfolgreiche Mitarbeiterführung sei laut Wagner der entscheidende Faktor für den Erfolg, das Wachstum und die Innovationskraft eines Unternehmens in einer sich dynamisch entwickelnden Welt.

Anschließend erörterte Dr. Gerhard Schick, Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende e.V., das in der Versicherungswirtschaft umstrittene Thema „Vertriebsvergütung in der Lebensversicherung“. Die Branche würde den Verkauf von Lebensversicherungen mit dem Begriff „Beratung“ verschönern, der Kunde zahle jedoch nicht für eine Beratung, sondern für den Abschluss einer Police. Hinzu komme, dass das Provisionssystem ins 19. Jahrhundert zurückgehe und sich seitdem nicht verändert hätte.

Florian Römer, MSc., Doktorand am Institut für Versicherungswissenschaften und Analyst der V.E.R.S Leipzig GmbH, berichtete aus seinem Dissertationsprojekt „Externe Performanceanalyse von Versicherungsunternehmen unter besonderer Berücksichtigung des Solvency and Financial Condition Reports“. Nach einer Begriffsabgrenzung der externen Performanceanalyse differenzierte Römer zunächst einzelne Analysephasen. Beginnend mit der Festlegung der Analyseziele, folge zunächst die Informationsbeschaffung und -aufbereitung, anschließend die Entwicklung von Kennzahlen und schließlich deren Interpretation.

Die anschließend von Prof. Dr. Fred Wagner vorgestellte Studie „Vertriebskanäle und Vertriebsvergütung der Zukunft“ beschäftigte sich mit den künftig erfolgreichen Kommunikationskanälen gegenüber den Kunden sowie einem zukunftsfähigen Vergütungsmodell für den Vertrieb – in Zeiten von zunehmender Digitalisierung und Regulierung sowie des wachsenden Innovationsdrucks auf die Versicherungswirtschaft.

Dr. Helge Lach, Mitglied des Vorstands bei der Deutschen Vermögensberatung AG, referierte im Anschluss über „Perspektiven von Anreizmechanismen im Versicherungsvertrieb“. Die stark regulierte Branche der Finanzvermittler unterläge seit jeher einem schlechten Ruf, der ihr nicht gerecht werde, so Lach. Dies beträfe vor allem das mangelhaft wahrgenommene Eigeninteresse des Vermittlers an der Kundenzufriedenheit und Qualitätssicherung sowie die Meinung, Finanzvermittler seien an der Finanzkrise schuld und würden bewusst Fehlberaten.

Zum Abschluss wurde eine Podiumsdiskussion über die Zukunft von Big Data, Smart Data sowie Data Analytics in der Versicherungswirtschaft geführt.