Autonomes Fahren

Institut für Versicherungswirtschaft/Johannes-Kepler-Universität

Mag. Dieter Pscheidl, Dipl.-Ing. Günther Apfalter, Dir. Dr. Othmar Thann, Generaldirektor Dr. Josef Stockinger

Anfang April veranstaltete das Institut für Versicherungswirtschaft an der Johannes-Kepler-Universität ein Pressegespräch mit Generaldirektor Dr. Josef Stockinger (Vorsitzender des Instituts für Versicherungswirtschaft), Dip.-Ing. Günther Apfalter (President Magna Europe & Magna Steyr), Dir. Dr. Othmar Thann (GF Kuratorium für Verkehrssicherheit) und Mag. Dieter Pscheidl (Leitung Europäische Angelegenheit Vienna Insurance Group AG). In diesem Gespräch wurde darüber diskutiert, welche Änderungen in der Kfz Versicherung in Zukunft vorgenommen werden müssen. Sowohl im privaten Bereich als auch im Nutzfahrzeug werden Systeme zum teil- oder hochautomatisierten Fahren in naher Zukunft zur Grundausstattung aller Fahrzeuge zählen. Für autonomes Fahren wurden dabei sechs Abstufungen etabliert. Von der Stufe 0 – der Fahrer steuert sein Fahrzeug ohne jede technische Hilfe – bis hin zur Stufe 5 – das Fahrzeug fährt vollautomatisch, menschliche Eingriffe sind nicht vorgesehen – reicht dabei der Bogen. Ab 2030 soll Stufe 5 als Standard erreicht sein. Für den Vorsitzenden des Instituts für Versicherungswirtschaft, Generaldirektor Dr. Josef Stockinger ist klar, dass auch bei Stufe 5 des autonomen Fahrens ein Fahrzeughalter für die Betriebsgefahr haften wird: „Die individuelle Kfz-Haftpflichtversicherung bleibt damit unverzichtbar. Einer hoffentlich sinkenden Anzahl von Unfallschäden und damit geringeren Versicherungsprämien stehen aber neue Risiken, etwa der Ausfall von Fahrersystemen gegenüber.“ Für Dipl- Ing. Günther Apfalter sind die Weichen für autonomes Fahren zwar gestellt, allerdings seien bis zum tatsächlich fahrerlosen Fahrzeug noch regulatorische, vor allem aber auch technische Hürden zu nehmen. Den Schlüssel zum Erfolg bei der Überwindung dieser technologischen Herausforderungen sieht Apfalter im Zusammenspiel von Herstellern, Zulieferern und neuen Marktteilnehmern. Dir. Dr. Othmar Thann plädiert dafür, in der Diskussion neben dem technischen Fortschritt die Sicherheit des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Er sieht im automatisierten Fahren großes Potential für einen unfallfreien Straßenverkehr. Die verstärkte Automatisierung und Vernetzung von Fahrzeugen verändert das Zusammenspiel aller Verkehrsteilnehmer und der Infrastruktur. „Das Risiko von Mobilität wird dadurch teilweise neu definiert“, so Mag. Dieter Pscheidl. Aus Sicht der Versicherungswirtschaft lassen sich diese Entwicklungen in einem Drei-Schichten-Modell abbilden: 1. Verkehrsopferschutz – Hier ergibt sich kein Änderungsbedarf, jedoch werden die Ansprüche an Kraftfahrzeuglenker erhöht. 2. Haftungskette – wurde die schadensursächliche Entscheidung von Mensch oder Maschine getroffen? Anstelle eines einzigen gibt es mehrere „Fahrzeuglenker“: neben dem „eigentlichen“ Fahrer auch Kfz-Hersteller, Software-Entwickler, Betreiber der Verkehrsinfrastruktur, Telekommunikationsanbieter usw. 3. Systemisches Risiko – Ein Störfall in der Verkehrsinfrastruktur oder im Telekommunikationsnetz erfasst zugleich das gesamte Kollektiv der Straßenverkehrsteilnehmer und fördert das Potenzial von Massenschäden.