FMA Aufsichtskonferenz

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FMA-Vorstand Helmut Ettl und Eduard Müller
FMA-Vorstand Helmut Ettl und Eduard Müller

Unter dem Generalthema „Nachhaltig aus der Krise!“ hält die österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) heute im Austria Center Vienna in Wien ihre 12. Aufsichtskonferenz ab. Spitzen aus Politik und Wirtschaft, Regulierung und Aufsicht, Wissenschaft und Forschung diskutieren dort mit mehr als 600 Besuchern Herausforderungen und Risiken auf den Finanzmärkten. Der Themenbogen reicht dabei von den Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die Finanzmärkte, welchen Beitrag Digitalisierung und Green Finance beim Weg aus der Krise leisten können, worauf Governance und Geldwäsche angesichts der dynamischen Entwicklungen besonders zu achten haben und wie im anhaltenden Niedrigzinsumfeld das Dilemma zwischen Sicherheit und Rendite nachhaltig gemanagt werden kann. Neben dem Vorstand der FMA, Helmut Ettl und Eduard Müller, geben unter anderen Frank Elderson, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) und stellvertretender Vorsitzender der europäischen Bankenaufsicht (SSM), Petra Hielkema, Vorsitzende der europäischen Versicherungs- und Pensionskassenaufsicht (EIOPA) sowie Natasha Cazenave, Exekutivdirektorin der europäischen Wertpapieraufsicht (ESMA), Diskussionsimpulse. Zum Abschluss der Konferenz analysiert OeNB-Gouverneur Robert Holzmann die „Ökonomische Entwicklung des Finanzmarktes“.

FMA-Vorstand: Finanzmarktreformen haben sich in der Krise bewährt

„Die österreichischen Finanzdienstleister sind bisher gut durch die COVID-19-Krise gekommen und konnten trotz der großen Herausforderungen einen wesentlichen Beitrag zur Unterstützung der Realwirtschaft, der privaten Haushalte sowie der Unternehmen in dieser schwierigen Zeit leisten,“ so der Vorstand der FMA, Helmut Ettl und Eduard Müller, in ihrem Eröffnungsimpuls. Sie sehen dafür im Wesentlichen drei Gründe: „Es wurden die richtigen Lehren aus der globalen Finanzkrise 2008 gezogen, Regulierung und Aufsicht europäisiert, ihre Effizienz und Effektivität verbessert und Lücken geschlossen. Die heimischen Finanzdienstleister haben ihre Hausaufgaben erledigt, ihre Kapitalausstattung massiv gestärkt sowie Altlasten konsequent bereinigt. Und die öffentliche Hand hat privaten Haushalten wie Unternehmen in der Krise in einem noch nie dagewesenen Ausmaß finanziell unter die Arme gegriffen und so auch indirekt die Finanzdienstleister geschützt.“

Als Belege nannten die FMA-Vorstände beispielhaft, dass die Banken mit rund 16% hartem Kernkapital – mehr als doppelt so viel wie vor der globalen Finanzkrise – in die COVID-19-Pandemie gegangen sind und dieses Niveau trotz der großen Herausforderungen bis heute in etwa halten konnten. Ähnlich verhält es sich mit den notleidenden Krediten, die trotz COVID-Pandemie bisher nach wie vor auf dem historisch niedrigen Niveau von rund 2% verharren. Und die Solvabilität der Versicherungsunternehmen liegt ebenso stabil über 220%. Gleichzeitig warnen Ettl und Müller aber auch: „Die Impfungen sind der entscheidende Schritt zurück zur Normalität und auch die Wirtschaftserholung fällt bisher rascher und kräftiger aus als erhofft. Aber: Wir sind noch nicht über dem Berg – weder beim Infektionsgeschehen, noch mit dem Wirtschaftsaufschwung. Da bleibt noch viel zu tun.“ Sie forderten daher die österreichische Finanzwirtschaft auf, die Chancen, die das europäische Investitionsprogramm „NextGeneration EU“, das gemeinsam mit dem mittelfristigen Finanzrahmen mehr als € 2 Billionen in den kommenden sechs Jahren mobilisiert, konsequent aufzugreifen. „Ziel muss es sein, gestärkt aus der Pandemie herauszukommen und gleichzeitig Finanzwirtschaft und Finanzmärkte grüner, digitaler und krisenfester zu machen,“ so der Vorstand der FMA.

Konferenz-Umfrage: Nachhaltigkeit wird als Chance, weniger als Risiko gesehen

Eine Umfrage unter den Konferenz-Teilnehmern selbst zeigte, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeitsrisiken am österreichischen Finanzmarkt noch nicht sehr ausgeprägt ist. Da wurden das anhaltende Niedrigzinsumfeld, operationelle Risiken wie Conduct-, Rechts- oder Geldwäsche-Risiko, sowie eine drohende Immobilienblase als viele größere Herausforderungen für die Finanzmarktteilnehmer gesehen. Nachhaltigkeitsrisiken spielten hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Die Konferenzteilnehmer waren sich aber einig, dass der Finanzsektor einen eher hohen Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise leisten könne. „Wir alle müssen hier offenkundig noch viel Bewusstseinsbildung in Sachen Nachhaltigkeit leisten, und zwar sowohl was die Herausforderungen des Klimawandels als auch jene der Digitalisierung sowie einer nachhaltigen Governance betrifft,“ so der Vorstand der FMA, Helmut Ettl und Eduard Müller, zusammenfassend.