Innovation und Beständigkeit in der Industrieversicherung – geht das?

Verband Österreichischer Versicherungsmakler

Mag. Wolfgang Petschko

Das war das Thema des Gastredners beim traditionellen Arbeitsessen der Verbandes Österreichischer Versicherungsmakler. Dr. Wolfgang Petschko, Leiter des Firmen- und Industriegeschäftes der Vienna Insurance Group umriss als Gastredner die wichtigsten Themen, die die Entwicklung dieses Versicherungsbereiches beschäftigen. Die moderne Industrieversicherung wird unter anderem geprägt durch ein professionelles Risikomanagement in der Sachversicherung. Die Versicherer sind nicht mehr bereit, Risiken zu übernehmen, für die nicht eine präzise, von Experten verfasste Einschätzung der möglichen Risiken und der Maßnahmen zur Schadenvermeidung oder –verringerung vorliegt. Es ist nun wichtig, diese Risikomanagement-Konzepte auch auf die anderen Sparten der Industrieversicherung, Haftpflicht und Transport, mit dem Ziel der gleichen Qualität zu entwickeln.

Während das Schlagwort Digitalisierung in aller Munde ist und über den Versicherungsverkauf per Internet nachgedacht wird, wird das Industrieversicherungsgeschäft weiterhin vom Risiko-Dialog zwischen allen Beteiligten, Kunde, Makler und Versicherer, abhängen, so Petschko. Daher ist es erforderlich, dass alle Beteiligten in die Ausbildung von Spezialisten investieren, die diesen Dialog mit großer Qualität führen können. Die Globalisierung der Wirtschaft bringt es mit sich, dass das Industriegeschäft immer internationaler wird. Damit steigt die Komplexität von Versicherungsverträgen, die sich nicht mehr nur auf die Risiken in einem Land beschränken, sondern alle Standorte des Industriebetriebes in einer gemeinsamen Versicherungslösung erfassen sollen. Dabei sind aber – Stichwort Compliance – die rechtlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten in den verschiedenen Ländern zu berücksichtigen. Kein Industrieversicherer kann sich diesen Anforderungen verschließen. Das Sonderthema von unterschiedlichen politischen Sanktionen lässt die Aufgabe aller am Industrieversicherungsvertrag Beteiligten noch komplexer werden.

Das Thema der Versicherbarkeit von Naturgefahren – siehe das Schneechaos der letzten Wochen – bleibt nach wie vor ein großes Spannungsfeld. Dies vor dem Hintergrund, dass sich Rückversicherungs-Kapazitäten gegenüber der Nachfrage verknappen und sich auch Erstversicherungsmärkte – etwa in Deutschland angesichts ungünstiger Ergebnisse in den letzten Jahren – in ihrer Risikofreudigkeit zurücknehmen. Petschko vertrat die Überzeugung, dass es bei allen Herausforderungen darum gehe, die Nachhaltigkeit der Industrieversicherung auf Basis einer konstanten Geschäftspolitik sicher zu stellen, wozu die genaue Auseinandersetzung mit den Industrierisiken, aber auch die Gestaltung fairer Preis-/Leistungsverhältnisse gehöre. Seine Versicherungsgruppe bekenne sich in diesem Sinne eindeutig zum Industrieversicherungsgeschäft.“