Nachhaltigkeit ist kein Geschäftsmodell

v.l.n.r.: Lisa Simon (Teamleitung Klimaschutz & Finanzmarkt, WWF), Monika Bäumel (Leitung Kommunikation, Volksbank Wien AG), Laurenz Faber (Komiteemitglied Fridays for Future), Andrea Stürmer (CEO, Zürich Versicherungs-AG), Fritz Fessler (Vorstand, Genossenschaft für Gemeinwohl), Peter Eitzenberger (CSR-Beauftragter, Leiter Vertrieb/Kundenservice & Kundenkommunikation, VBV-Vorsorgekasse AG), Werner Schediwy (FMVÖ-Vorstand) ©Christoph Kerschbaum

Vertreter von NGOs und Finanzunternehmen gingen beim Financial Forum des Finanz-Marketing Verband Österreich der Frage nach, ob Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung in der Finanzbranche ein echtes Differenzierungsmerkmal oder nur einen grünen Anstrich darstellt. Das Thema Diskutierten Monika Bäumel (Volksbank Wien), Peter Eitzenberger (VBV), Laurenz Faber (Fridays for Future), Fritz Fessler (Genossenschaft für Gemeinwohl), Lisa Simon (WWF) und Gastgeberin Andrea Stürmer (Zürich Versicherung).

In seiner Begrüßung zur Kick-off Veranstaltung für den FMVÖ-Jahresschwerpunkt „Verantwortung in der Finanzbranche“ betonte FMVÖ-Präsident Erich Mayer, dass es sich der Verband in diesem Jahr zur Aufgabe gemacht habe, dem Thema mehr Nachdruck zu verleihen. Der Moderator des Abends, FMVÖ-Vorstand Werner Schediwy, erläuterte in seiner Einleitung, dass Retailbanken und Versicherungen einen großen Einfluss auf die Verwendung von Geld haben – denn durch ihre Veranlagungskriterien und Kreditbedingungen würden sie die Entwicklung und Nachhaltigkeitswirkung unterschiedlicher Branchen beeinflussen.
Geld bewegt Klimaschutz

Dies wurde auch in der nachfolgenden Keynote von Lisa Simon (Teamleitung Klimaschutz und Finanzmarkt, WWF) thematisiert. Der WWF hat 2018/2019 ein Rating der zehn umsatzstärksten österreichischen Banken durchgeführt. Diese wurden in den Bereichen Unternehmensführung, Anlegen & Sparen sowie Kredite & Finanzierungen nach 25 Kriterien bewertet. Sieben reihten sich im oberen bzw. unteren Mittelfeld ein, drei wurden als unterdurchschnittlich bewertet. Das Ergebnis zeige, dass der österreichische Markt sehr am Anfang stehe, was eine systematische Integration von Nachhaltigkeitskriterien betreffe. „Es sind nicht nur kleine Stellschrauben an denen die Institute drehen müssen, es geht vielmehr um große Strategien, die umgesetzt werden müssen. Ökologische und soziale Standards müssten im Kerngeschäft integriert werden“, so das Fazit von Lisa Simon.
Die anschließende Podiumsdiskussion eröffnete Werner Schediwy mit der provokanten Frage an Lisa Simon, ob Österreichs Banken und Versicherungen nur deshalb durchschnittlich seien, weil entweder ein Mehr an Aktivitäten nicht unbedingt erfolgreicher macht – oder weil angesichts des niedrigen Niveaus der Aktivitäten der Finanzinstitute nicht viel für eine Differenzierung am Markt gemacht werden müsse? Simon bestätigte, dass es trotz einzelner positiver Initiativen bei den meisten Finanzunternehmen noch immer viel zu wenig Bewusstsein für ihre Verantwortung im Kampf gegen die Klimakrise gäbe. „Die Finanzindustrie nützt ihre große Marktmacht immer noch viel zu wenig für klima- und umweltfreundliche Investitionen. Geld treibt die Klimakrise an – oder eben den Klimaschutz. Daher müssen ‚grüne‘ Finanzprodukte von der Nische ins Kerngeschäft, um einen wirksamen Beitrag zum Pariser Klimaschutzabkommen und zum Schutz der Biodiversität zu leisten“, so die WWF Finanzexpertin.

Nachhaltigkeit im Fokus

Als ein Institut, das bereits 2018 seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht hat, kann die Volksbank Wien auf einige Highlights verweisen. Wie Kommunikationsleiterin Monika Bäumel betonte, sei nachhaltiges Wirtschaften durch die Erstellung der Berichte noch weiter in den Fokus der Volksbank gerückt. So sei man letztes Jahr dem UN Global Compact beigetreten und habe erstmals den wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen Sustainable Development Goals (SDGs) zugeordnet. Auch der aktuelle Bericht werde in Übereinstimmung mit den GRI-Standards (Global Reporting Initiative) erstellt. „Das Geschäftsmodell der Volksbank ist aufgrund der genossenschaftlichen Wurzeln und der starken Verankerung in der Region seit 150 Jahren nachhaltig. Die Förderung der Wirtschaft in der Region ist das Ziel und der Erfolg der Volksbank“, erläuterte Bäumel.
Als junger Konsument und Aktivist teilte Fridays for Future-Komiteemitglied Laurenz Faber seine Sichtweise mit dem Publikum: „Mir ist schon aufgefallen, dass sich im Finanzsektor immer mehr Unternehmen Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben. Diese Imagekampagnen betrachte ich aber immer kritisch, denn die größten Kapitalverwalter der Welt schlagen immer noch Profit aus fossilen Energieträgern, ohne die katastrophalen Auswirkungen der fortschreitenden Klimakrise zu berücksichtigen.“ Umso wichtiger sei es seiner Meinung nach, dass mutige Banken und Versicherungen voranschreiten und ihren Konkurrenten zeigen, dass wirtschaftlicher Erfolg und moralisches Rückgrat nicht unvereinbar seien. Fridays for Future fordere von allen Kapitalverwaltern der Welt schrittweises Divestment aus allen fossilen Projekten und mit sofortiger Wirkung das Ende aller Investments in neue fossile Explorationsprojekte. „An der Umsetzung dieser Forderungen messen wir die Finanzkonzerne“, betonte Faber.
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