Versicherungsvermittler im Fadenkreuz

Höher Insurance

v.l.n.r.: Harald Schaaff (Manager Assekuranz Compagie, München), Tobias Klein (StarStone Insurance SE, Köln), Alexander Dreyer (Butcher Robinson & Staples, London), Mag. Viktor Milanovic (Höher Insurance Services GmbH), RA MMag. Dr. Johannes Neumayer (Neumayer, Walter & Haslinger Rechtsanwälte Partnerschaft), René Hompasz (Höher Insurance Services GmbH), Peter Höher.

von Mag. Manfred Kainz

Eine „historischen“ Abschluss fand die Roadshow 2019 der Höher Insurance Services GmbH: im Leopoldisaal des Klostergasthofes des Stiftes Heiligenkreuz im Wienerwald. Trotz seiner Größe war er ausgebucht, denn rund 140 Versicherungsvermittler, Vertreter von Wertpapierfirmen und andere Finanzdienstleister aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland waren angereist – in das Kloster, das seit 1133 ohne Unterbrechung besteht, wie Gastgeber Pater Johannes Paul stolz berichtete.

Abwehr von Ansprüchen

In die Niederungen des Tagesgeschäfts führte René Hompasz, Geschäftsführer von Höher Insurance Services. Seine Warnung: „Heute sind die Versicherungsvermittler im Fadenkreuz.“ Gemeint ist, dass die Abwehr von kundenseitigen Schadenersatzansprüchen eine „zentrale“ Herausforderung für die Berufsgruppe geworden sei. Es gehe heute nicht darum, was man getan hat, „sondern darum was einem unterstellt wird, das man (nicht) getan haben soll“, formulierte es Hompasz drastisch. Daher sei die Abwehrdeckung mittlerweile ein wesentlicher, nicht zu unterschätzender Aspekt beim eigenen Versicherungsschutz geworden.

Taten mit Daten

Der bekannte Spezialist für Finanzdienstleistungs-Causen, Rechtsanwalt Dr. Johannes Neumayer, führte in die Niederungen der leidigen DSGVO. Zur richtigen Umsetzung im Tagesgeschäft gehe es immer um die Fragen: „Was mache ich mit den Daten? Wofür verwende ich sie? Wem gebe ich sie weiter?“ Er empfahl, immer auf die strenge Allgemeingültigkeit des §6 Ab.3 KSchG zu achten: „Was nicht verständlich formuliert ist, gilt nicht!“ Zum Daten-“processing“ müsse man zwar vom Kunden ermächtigt sein. Aber: Man dürfe Daten auch erhalten „zur Abwehr von Schadenersatzansprüchen und zur Erfüllung von rechtlichen Verpflichtungen“ (d.h. anderen als des Datenschutzes). Neumayer empfiehlt als legale „Umgehung“, wenn ein Kunde seine Datenlöschung wünscht: Eine „Anfrage“, ob der Wunsch berechtigt sei, mitsamt den Daten an den eigenen Anwalt (oder Steuerberater) schicken, sodass sie dort gespeichert bleiben und man sie selbst löschen kann. Sehr wichtig sei jedenfalls, Kunden sofort zu benachrichtigen, wenn der Datenschutz mal von außen verletzt werden sollte. Und die Einsetzung eines Datenschutzbeauftragen, um die Gewerbeberechtigung nicht zu verlieren.

Einfallstor

Im Zusammenhang mit der IDD betonte Hompasz: „EU-Recht geht vor nationalem Recht!“ Das heiße für die Praxis: „Führen Sie Ihren Betrieb nach der IDD, dann erst nach der GewO!“ Das Einhalten der kommenden Standesregeln werde schon deshalb wichtig, weil ein wissentliches Abweichen, abgesehen von Verwaltungsstrafen, ein „Einfallstor für Versicherungsfreistellung“ sei.
Hompasz‘ Fazit: „Abwehrdeckung wird uns künftig massiv beschäftigen!“ Sie sei „der“ Kostentreiber bei Schadenfällen in der Berufshaftpflichtversicherung. Er empfiehlt daher: „Wer schreibt, der bleibt!“. Die Dokumentation sei im Schadenfall entscheidend: Wichtig ist, dass alles was mit dem Kunden besprochen (beraten) wurde auch dokumentiert wird.