Der vielversprechende Osten

UNIQA

CEO Andreas Brandstetter, @UNIQA

Die UNIQA hatte im letzten Jahr zwar mit erhöhten Ausgaben aufgrund regulatorischer Aufwendungen zu kämpfen, konnte aber sein Geschäftsergebnis trotzdem gegenüber dem Vorjahr leicht verbessern und expandiert in den Osten.

„Der Ausblick ist schwierig“, erklärt Andreas Brandstetter, CEO der UNIQA bei der Präsentation des Geschäftsergebnisses. Die Branche wird sich in den nächsten zehn Jahren so stark ändern, wie in den letzten 100 Jahren“. Auch die Veränderung der Verantwortung eines Unternehmens wurde selten so sichtbar, wie bei der Präsentation des Geschäftsergebnisses der UNIQA. Wahrscheinlich hätte Andreas Brandstetter, CEO der UNIQA lieber mehr über das „geschäftlich höchsterfreuliche Jahr 2019“ gesprochen, doch die Fragen der anwesenden Journalisten drehten sich hauptsächlich um Themengebiete wie grüne Veranlagung und Genderpolitik des Unternehmens. Warum gibt es keine Frauen im Vorstand der UNIQA? Wie wird sichergestellt, dass die angebotenen grünen Fonds wirklich „grün“ sind? Das Pressegespräch machte eins klar deutlich: Unternehmen sind nicht mehr nur ihren Shareholdern oder vielleicht ihren Stakeholdern verpflichtet, sondern tragen eine viel größere und zwar gesellschaftliche Verantwortung. Insofern waren die Fragen bei dieser Pressekonferenz interessanter als die Antworten.

Fremdfinanzierte Übernahme

Aber natürlich gab es auch Geschäftliches zu besprechen. Und zwar gar nicht zu wenig. Immerhin steht der Erwerb der AXA-Töchter in Polen, Tschechien und der Slowakei vor der Tür. Der Kaufpreis von einer Milliarde Euro soll zur Gänze durch zwei Bonds fremdfinanziert werden, „falls die Rating-Agenturen nichts dagegen haben“. Einer der Bonds könnte auch ein Green-Bond sein, erklärt Finanzchef Kurt Svoboda. Das Price/Earning-Ratio der AXA-Gesellschaften beziffert Svoboda mit 12,4. Mit dem Kauf wird die UNIQA, so die Wettbewerbshüter der EU keinen Einwand erheben, in Osteuropa von siebent- zum fünftgrößten Versicherungskonzern aufsteigen. Dabei wird in einen Markt investiert, der bei weitem noch nicht gesättigt ist. Während in Österreich die Pro-Kopf-Ausgaben für Versicherungen bei rund 2.000 Euro pro Jahr liegen, liegen diese in den drei Ländern zwischen 400 und 500 Euro.

Schwerpunkt Kosten

Ein Schwachpunkt des heurigen Geschäftsberichts zeigte sich im Anstieg der Kostenquote von 25,9% auf 27,2%. Gründe dafür sind vor allem die erhöhten Kosten in der Digitalisierung und die erhöhten regulatorischen Kosten im Zuge der DSVGO- und IDD-Umsetzung. „Es ist nicht verhältnismäßig, wenn für eine Versicherung für Traktoranhänger fünf Seiten auszufüllen sind“, erklärt Brandstetter sein ambivalentes Verhältnis zur Regulierungsflut. Hinzu kommt das bis 2026 laufende 500 Millionen teure Investitionsprogramm in die Digitalisierung und in die Vereinheitlichung der IT-Systeme, was schließlich zu effizienteren Abläufen und Einsparungen führen soll. Auch um mehr Kosteneffizienz zu erzielen werden Die UNIQA International mit der UNIQA Österreich verschmolzen. Die „Holding bleibt bis auf weiteres bestehen aber bestimmte Funktionen an die Österreich-Tochter übertragen, insbesondere alle konzerninternen Dienstleistungen. Das Rückversicherungsgeschäft überträgt die Holding (UIG) an die UNIQA Österreich sowie an die UNIQA Re in Zürich.

Zahlen weiterhin positiv

Trotz erhöhter Kosten konnte die UNIQA aufgrund relativ geringer Aufwendungen für Unwetterschäden die Combined Ratio auf 96,4 Prozent senken. Das Prämienvolumen stieg um 1,2 Prozent auf knapp 5,4 Milliarden Euro. UNIQA wird bei ihrer Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende um einen Cent auf 54 Cent je Aktie vorschlagen, so Brandstetter. Das Ergebnis vor Steuern lag bereinigt um den Verkauf der Casino-Austria Anteile um eine Million höher als im vergangenen Jahr.

von Mag. Christian Sec