Großrisiken der Gegenwart

Munich Re

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„Die Corona-Pandemie muss uns eine Lehre sein: Wir müssen schneller und konsequenter handeln, damit uns Risiken wie Cyber-Angriffe oder der Klimawandel nicht ähnlich unvorbereitet treffen wie COVID-19. Die finanziellen Folgen lassen sich zum Nutzen der Menschen besser absichern. Dabei muss klar sein, dass systemische Risiken wie eine Pandemie auch systematische Gegenmaßnahmen erfordern, etwa durch Risiko-Pools mit Unterstützung der Staaten, um nicht versicherbare Risiken tragbar zu machen,“ so Torsten Jeworrek Mitglied des Vorstandes Munich Re. Der systemische Charakter von Größtrisiken hat durch Globalisierung und Digitalisierung zugenommen. Von 1990 bis 2008 wuchs der Welthandel doppelt so stark wie die Wirtschaft insgesamt. Auch seitdem nahm der Handel schneller als die Wirtschaftsleistung zu. Mit der stärkeren Vernetzung wuchsen auch die Abhängigkeiten. Für drei Großrisiken unserer Zeit – Pandemien und Cyber– lassen sich laut Munich Re unterschiedliche Lösungsansätze ableiten.

Pandemien

Die Aufwendungen für COVID-19-Schäden belasten Versicherer erheblich. Bereits jetzt kommen sie den Schäden der teuersten Naturkatastrophen nahe. In der Lebens- und Krankenversicherung sind Pandemierisiken abgedeckt; zudem entstanden hohe Schäden durch die Absage zahlreicher Großveranstaltungen. Auch in der Haftpflicht-, der Reiseversicherung sowie im Kreditgeschäft fallen Schäden an. Die größten ökonomischen Schäden entstehen jedoch durch Betriebsunterbrechungen bei angeordneten Lockdowns. Da diese weltweit fast zeitgleich quer über Wirtschaftssektoren anfallen, sind sie privatwirtschaftlich kaum versicherbar. Nach Schätzungen des Verbands der US-Schaden- und Unfallversicherer APCIA wäre das Risikokapital der Versicherer in den USA binnen weniger Wochen aufgezehrt, wenn Betriebsunterbrechungsschäden durch Corona versichert gewesen wären. „Wir brauchen neue verlässliche Mechanismen, um solche Risiken abzudecken. Das geht nur mit staatlich gestützten Risikopools, an denen sich Versicherer mit begrenzter Kapazität beteiligen können. Versicherer können zudem die korrekte Risikobewertung unterstützen sowie Vertrieb und Schadenregulierung organisieren“, sagte Stefan Golling, Chief Underwriter von Munich Re.

Cyber Segment

Durch die Lockdown-Maßnahmen zur Eindämmung von Corona wurden viele Geschäftsprozesse von Unternehmen nahezu komplett und unmittelbar in das Internet verlagert, was unter normalen Umständen womöglich Jahre dauern würde. In der Folge nahmen die Risiken für Cyber-Angriffe zu, da die Sicherheit von Daten oder Prozessen außerhalb des eigenen Firmennetzwerkes schwieriger zu gewährleisten ist. Gleichzeitig stieg das Bewusstsein für die digitale Abhängigkeit, so dass mehr Investitionen in die IT-Sicherheit notwendig und wahrscheinlich sind.
Die Absicherung von Cyberrisken bleibt für Munich Re eines der wichtigsten strategischen Wachstums- und Handlungsfelder. Der Cyber-Versicherungsmarkt wird sich ausgehend von 2020 bis 2025 auf etwa 20 Mrd. US$ verdreifachen. Munich Re gehört mit einem Marktanteil von rund 10 Prozent zu den führenden Versicherern.