Neue Privat-Krankenversicherungen ab Juli teurer

durchblicker

Reinhold Baudisch

Versicherungsexperte Baudisch erwartet einen Anstieg der Prämien bei Neuabschlüssen um bis zu 5 Prozent. Grund dafür: Versicherungen müssen aufgrund einer FMA-Vorgabe ihre Rechnungszinsen senken und daher ihre Produkte neu kalkulieren. Vor der Umstellung locken Krankenversicherungen mit Sonderprämien. durchblicker rät, die Angebote zu vergleichen.

Wer aktuell überlegt, eine zusätzliche private Krankenversicherung abzuschließen, sollte sich bis Ende Juni entscheiden. Zwar halten sich die Versicherungen noch bedeckt. Die Rede ist allerdings bereits von einer Anhebung der Prämien ab Juli um bis zu 5 Prozent, so Reinhold Baudisch, Geschäftsführer der größten heimischen Versicherungsplattform durchblicker.at. Grund für die Verteuerung der Privat-Krankenversicherungen ist ein für die Versicherer defacto verbindliches Rundschreiben der Finanzmarktaufsicht (FMA) von vergangenem Jahr. Darin empfiehlt die FMA ab 1.7.2021 aufgrund der anhaltenden Zinsflaute eine Senkung des maximalen Rechnungszinssatzes auf 0,5 Prozent.
Weil Privat-Krankenversicherte die Zusatzversicherung in älteren Jahren üblicherweise deutlich stärker in Anspruch nehmen als in jüngeren Jahren, bilden die Versicherungen Deckungsrückstellungen. Defacto sparen die Versicherten damit Kapital für spätere Leistungen an. Die Versicherung verzinst dieses Kapital mit einem Rechnungszins. Über Jahrzehnte lag der in Österreich übliche Rechnungszins für private Krankenversicherungen bei 3 Prozent. 2014 wurde er entsprechend den FMA-Empfehlungen auf 2,5 Prozent, 2016 auf 1,75 Prozent und 2018 auf 1 Prozent gesenkt. Die Versicherungsprämien sind dadurch in den vergangenen Jahren bereits kräftig gestiegen.
Bis zu 200 Euro Mehrbelastung für privatversicherte Jungfamilie
Die neuerlich Prämien-Erhöhung um bis zu 5 Prozent bedeutet für eine junge Familie rund 150 bis 200 Euro Mehrkosten pro Jahr. Schon bisher sind die Kosten für eine private Krankenversicherung im Fall einer vierköpfigen Familie mit rund 3.000 bis 4.000 Euro jährlich beträchtlich.
Laut einer Umfrage von durchblicker.at zu Jahresbeginn besitzen derzeit 31 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher eine private Zusatzversicherung1. Durch die Corona-Pandemie ist das Interesse an einer Privatversicherung zuletzt noch weiter gestiegen. Für 58 Prozent der Befragten ist eine private Krankenversicherung allerdings laut Umfrage zu kostspielig. „Mit der neuerlichen Verteuerung können sich womöglich noch weniger Leute eine zusätzliche Privat-Krankenversicherung leisten“, so Baudisch von durchblicker.
Vor der Umstellung locken jetzt einige Versicherungen noch mit Sonderprämien. Der Versicherungsexperte rät, diese Angebote zu vergleichen. Auch kleine Prämienunterschiede machen über die Jahre beträchtliche Summen aus. Private Krankenversicherungen werden grundsätzlich auf Lebenszeit abgeschlossen. Umso jünger Verbraucherinnen und Verbraucher einsteigen, desto preiswerter ist die Versicherung. Anders als bei praktisch allen anderen Versicherungen ist ein späterer Wechsel des Anbieters deswegen nicht sinnvoll.

1 Online-Umfrage von respondi AG, Erhebungszeitraum 25. – 28. Jänner 2021, n=1.200, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 18