Solvency II Analyse

EY Österreich

Rainer Kaufmann, Leiter Actuariat Services bei EY Österreich ©EY

In einer umfangreichen Analyse hat die Prüfungs- und Beratungsorganisation EY Österreichs Versicherungsunternehmen in puncto Solvabilität unter die Lupe genommen. Basis dafür waren die im April und Mai für das Geschäftsjahr 2018 veröffentlichten Berichte über Solvabilität und Finanzlage von 34 in Österreich durch die FMA beaufsichtigten Versicherungsunternehmen. Das Ergebnis zeigt, dass alle Versicherer in Österreich über genug Eigenkapital zur Zeit verfügen. Die Mindestanforderungen einer Risikodeckung von 100 Prozent durch Solvency II wird mit einem Durchschnitt von 258 Prozent deutlich überschritten. Beim dritten Bericht nach der Umsetzungspflicht schneiden die Österreichischen Versicherungsunternehmen erneut sehr gut ab. Rainer Kaufmann, Leiter Actuarial Services bei EY Österreich, dazu: „Alle heimischen Versicherer verfügen über genügend Kapitalreserven, um Negativszenarien zu überstehen, die statistisch einmal alle 200 Jahre vorkommen oder in zwölf Monaten eine von 200 Versicherungen treffen können. Bei solch hohen Eigenkapitalquoten wirtschaften Österreichs Versicherer vorbildlich, übererfüllen mit ihrer Solvabilitätsquote die gesetzlichen Vorgaben und stehen auch im europäischen Vergleich sehr gut da. Diese positive Bilanz ist in allen Sparten bemerkbar, jedoch gibt es zum Teil immense Unterschiede zwischen den einzelnen Versicherungsunternehmen. Zwischen dem Anbieter mit dem höchsten und jenem mit dem geringsten Kapitalpuffer liegen rund 240 Prozentpunkte“. Kompositversicherer weisen durchschnittlich eine Solvabilitätsquote von 247 Prozent auf. Die höchste Bedeckungsquote in der Sparte von 336 Prozent hat die Generali Versicherung, gefolgt von der GRAWE Versicherung mit 331 Prozent und die ERGO Versicherung mit 309 Prozent.
In der Nicht-Lebensversicherungssparte liegt die durchschnittliche Quote bei rund 260 Prozent. Auf der Spitzenposition liegt mit 388 Prozent die Allianz Elementar Versicherung. Dahinter folgen die VIG Group mit 375 Prozent und die Österreichische Hagel Versicherung auf Gegenseitigkeit mit 324 Prozent.
Bei den Lebensversicherungen liegt die Quote mit 263 Prozent im Durchschnitt knapp höher. Die höchste Bedeckungsquote verzeichnet dort mit 352 Prozent die BAWAG PSK Versicherung. Dahinter folgen die FWU Life Insurance Austria AG, ehemalige Skandia mit 297 Prozent und die Allianz Elementar Lebensversicherung mit 259 Prozent. „Das aktuelle Niedrigzinsumfeld dämpft nach wie vor die Quoten in den Sparten Komposit- und Lebensversicherung. Durch die Anwendung der im Regelwerk von Solvency II vorgesehenen LTG-Maßnahmen (Long-Term-Guarantee), also Übergangsmaßnahmen und Volatilitätsanpassungen, fallen die Solvenzquoten grundsätzlich höher aus und helfen damit den Versicherungsunternehmen auch durch Zeiten mit niedrigen Zinsniveau“, so Rainer Kaufmann. „Bei der Bewertung der Bedeckungsquoten muss immer bedacht werden, dass diese nur ein erster Anhaltspunkt sind und nicht immer eins zu eins verglichen werden können. Die Erfahrungen in den letzten drei Jahren zeigen, dass die Solvency II-Kennzahlen kurzfristig stark schwanken können. Die Versicherer haben Bewertungsspielräume, um unternehmensspezifische Besonderheiten abzubilden. Manche Unternehmen verwenden anstatt des Standardmodells von Solvency II deshalb auch interne Modelle, die das individuelle Risikoprofil genauer abbilden. Dieser Umstand manifestiert sich in tendenziell höheren Solvenzquoten“, so Kaufmann abschließend.