Und die Moral von der Gschicht

von Mag. Christian Sec

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman meinte einst: „Es gibt eine, nur eine soziale Verantwortung für Unternehmen – ihren Gewinn zu steigern“. Vielleicht stimmt das auch und vielleicht sind alle unternehmerischen Aktivitäten, die dem Gemeinwohl dienen scheinheilig. Aber ist es verwerflich, wenn jemand im Namen des Umweltschutzes auf das Autofahren verzichtet, keine Flugreisen unternimmt usw., er es aber insgeheim nur deshalb tut, weil er ein Bild eines sich sorgenden Bürgers vermitteln will, das gar nicht seinem realen Selbst entspricht. Vielleicht sind wir alle Heuchler, weil sogar die Aktivisten gar nicht so sehr an die Umwelt oder die Menschheit denken, sondern nur daran, einen bestimmten Platz in der Bevölkerung einzunehmen. Amerikaner waren niemals zimperlich mit solch tiefgründigen Überlegungen. Moral wird dort seit jeher nach dem Ergebnis einer Handlung beurteilt und nicht nach dem dahinterstehenden Motiv. Während sich die Amerikaner gar nicht die Frage nach der Doppelmoral stellen, diskutieren wir auf der anderen Seite des großen Teichs leidenschaftlich über mögliche egoistische Hintergedanken, die dem sozialen Gedanken widerstreben. Würden wir nur halb so kritisch uns selbst im Spiegel betrachten, dann würden wir uns erschrecken, was hinter unseren eigenen Taten steckt, aber das ist eine Frage für die Psychologie. Wir sind nun einmal Menschen und wir werden gerne gemocht. Deshalb schenken wir auch gerne, und zwar auch deshalb, um etwas zurückzubekommen. Warum verlangen wir also von Unternehmen, die als Organisation ja weder Seele noch ein Herz haben können, päpstlicher zu sein als der Papst? Wer kennt schon jemanden höchstpersönlich, der strikt nach dem schönen christlichen Grundsatz lebt: „Tue Gutes, und schweige darüber? Unternehmen wollen auch gemocht werden. Sie sind nur lebensfähig, wenn sie bei ihren potentiellen Kunden positive Gefühle wecken. Und dazu sind positive Taten notwendig. Nicht zuletzt wegen des Engagements zivilgesellschaftlicher Gruppen interessieren sich immer mehr Menschen dafür, was Unternehmen tun, und bewerten deren Handeln nach moralischen Gesichtspunkten. Konsumenten richten ihre Entscheidungen an der moralischen Reputation eines Unternehmens aus, oder demonstrieren gegen Schurkenunternehmen. Große Unternehmen haben demnach ein fundamentales eigennützliches Interesse soziale Verantwortung zu übernehmen. Ist es nicht ein Segen, dass Konsumenten mittlerweile so viel Macht haben, dass sie die Unternehmen am moralischen Gängelband führen? In der frühen Phase der Industrialisierung war dies noch ganz anders. Der Unternehmer entschied über Allokation von Waren und Dienstleistungen. Der Konsument bzw. die Gesellschaft hatte nur wenig Einflussmöglichkeiten auf das unternehmerische Leitbild, falls es so etwas überhaupt gab. Dementsprechend wurden Ängste laut. Der US-Präsident Abraham Lincoln bangte dabei einst um die Zukunft seines Landes: „Ich sehe in naher Zukunft eine Krise auf uns zukommen“, meinte er beunruhigt. „Unternehmen wurden inthronisiert, eine Ära der Korruption auf höchster Ebene wird folgen, und die Geldmächte des Landes werden danach streben, ihre Herrschaft zu verlängern, indem sie Vorurteile des Volkes bearbeiten, bis der Reichtum in den Händen einiger weniger ist und die Republik zerstört ist.“ Die Macht der Konsumenten, vorangetrieben durch die Digitalisierung und neue Medien hat heute dazu geführt, dass für Kinderarbeit, Niedrigstlöhne, Korruption oder ökologische Gedankenlosigkeit immer weniger Platz ist. Und ja Friedmann hat Recht, wenn er meint, dass die Unternehmen nur eine Verantwortung kennen, nämlich Gewinne zu steigern, aber heute scheint die glorreiche Zeit gekommen zu sein, dass ein Unternehmen ohne reinem Gewissen keine Gewinne mehr schreiben kann. Frohe Weihnachten