VVO fordert Unterstützung von Politik bei „grüner“ Vorsorge

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Im Bild v.l.n.r.: VVO-Präsident Mag. Kurt Svoboda; VVO-Generalsekretär Dr. Louis Norman-Audenhove;

Der Versicherungsverband Österreich (VVO) stellte anlässlich der Rückschau auf das vergangene Geschäftsjahr konkrete Forderungen an die Politik und die Regulierer, wobei Verantwortung für die Umwelt und für die nächste Generation ein Kernargument zur Durchsetzung der Wünsche von Seiten der Versicherungswirtschaft ist. Die Forderungen des VVO betrafen vor allem die Bereiche der Vorsorge fürs Alter und Naturkatastrophen, die Digitalisierung und Regulierung.

Im Bereich der Förderung und Belebung der privaten Vorsorge fordert Kurt Svoboda, Präsident des österreichischen Versicherungsverbandes die Senkung der Versicherungssteuer von vier auf zwei Prozent. Durch das Niedrigzinsniveau und die einhergehenden niedrigen Renditen, sei eine Versicherungssteuer in der derzeitigen Höhe „nicht mehr gerechtfertigt“, begründet er die Notwendigkeit einer Steuersenkung. Wird die Veranlagung bei LVs in ökologische und ethische Veranlagung durchgeführt so verlangt die VVO gänzliche Steuerfreiheit, um einen Anreiz zur Umlenkung in „grüne Anlagen“ zu fördern. Svoboda warnt davor, dass Lebensversicherungen durch unattraktive Rahmenbedingungen in Zukunft in die Bedeutungslosigkeit rutschen könnten. „Der Kapitalmarkt würde darunter leiden, denn mit einem Veranlagungsvolumen von 70 Milliarden Euro ist die Versicherungswirtschaft einer der größten Kapitalmarktteilnehmer“. Der Rückgang des Prämienvolumens bei der LV setzt sich währenddessen weiter fort. Im letzten Jahr vermeldete die Versicherungswirtschaft im Bereich der LVs einen Prämienrückgang von 2,2 Prozent. Eine weitere Forderung in im Bereich der Vorsorge betrifft die Valorisierung des Freibetrags der Zukunftssicherung im Rahmen der Betriebsvorsorge von 300 Euro auf 1.200 Euro. Dies entspricht der Inflationsanpassung seit 1975, als der Betrag von umgerechnet 300 Euro als Freibetrag geltend gemacht durfte, erklärt Svoboda. „All diese Forderungen wurden der Regierung bereits vorgelegt“.

Zusammenarbeit mit Öffentlicher Hand im Katastrophenbereich

Auch bei der finanziellen Absicherung vor den Auswirkungen des Klimawandels, in dessen Folge die Intensität und Häufigkeit von Extremwetterereignissen zunimmt, fordert die VVO den Kooperationswillen der Politik ein. Dabei wünscht sich die VVO eine enge Zusammenarbeit in Form von Private-Public-Partnership-Projekten oder durch Finanzierungshilfen im Bereich der Vorsorgeinfrastruktur, wie Lawinenverbauung, Hochwasserschutz oder Gefahrenzonen in den Städten. „Es gibt zwar in Österreich den Naturkatastrophenfonds. Aber es stellt sich auch die Frage, in wie weit dieser in fünf oder zehn Jahren noch ausreicht, um große oder dicht aneinander folgende Ereignisse noch abzufedern“ so Svoboda. Daher die Forderung an die Politik: Die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen, um die Integration der Naturkatastrophenversicherung in die Feuerversicherung oder Haushaltsversicherung zu ermöglichen. „Wir sollten das mit der Politik bereits jetzt in Angriff nehmen, damit die Pläne in drei bis vier Jahren greifen“, so Svoboda.

Hohe Betriebskosten durch Regulierung

Ein weiteres Anliegen betrifft den Bereich der elektronischen Kommunikation zwischen Versicherer und Kunden, die nicht Ausnahme, sondern Regel sein sollte. Nicht nur aus Kundensicht, sondern auch aus ökologischer Sicht, sollte man die elektronische Kommunikation zwischen Versicherer und Kunden als Regelfall zulassen, fordert Svoboda. Dafür wären konkrete Anpassungen im Versicherungsvertragsgesetz nötig. Und auch das leidige Thema der Regulierung darf im Forderungskatalog des Versicherungsverbandes nicht fehlen. „17 Prozent der gesamten Betriebskosten sind Regulierungskosten. „Für uns ist das eine Alarmglocke, mit der wir proaktiv mit den Aufsichtsbehörden sprechen werden“, so Svoboda. Auch wenn es sich um EU-Recht handelt, hat der nationale Regulierer starken Einfluss auf die Ausgestaltung, erklärt Svoboda die Gestaltungsmöglichkeiten der FMA.

Pflegeproblematik

Schlussendlich wird uns in Zukunft auch das Thema Pflege, aufgrund der demografischen Entwicklung beschäftigen. „In 30 bis 40 Jahren werden wir doppelt so viele Pflegefälle haben wie heute, was bedeutet, dass die Vorsorge wahrscheinlich nicht mehr in der Form zu finanzieren ist, wie dies heute der Fall ist“, so Svoboda, auch im Hinblick darauf, dass die Zahl der pflegenden Angehörigen pro Pflegefall abnehmen wird. „Daher haben wir hier auch in diesem Bereich diesen Generationenauftrag zu erfüllen“, so Svoboda. In der Produktentwicklung sind dabei neue Ansätze gefragt, wie z.B. ein Vorsorgeprodukt zur Endfälligkeit mit der Option entweder Pflege in Anspruch zu nehmen oder sich für eine Auszahlung zu entscheiden. Eine andere Möglichkeit wäre z.B. von Spitäler in die Pflege zu gehen. Beispiele für Innovation auf diesen Sektor gibt es z.B. in Skandinavien und die Schweiz, wo es bereits Produkte gibt, die in diese Richtung gehen, erklärt Svoboda. (Mag. Christian Sec)