Weltweit 100 Mrd. US-Dollar Schadensforderungen durch Pandemie

von Mag. Christian Sec

Der Versicherungsmarkt Lloyds of London mit seinen mehr als 90 Syndikatsmitgliedern musste, aufgrund hoher Schadensforderungen im Zusammenhang mit Corona, im ersten Halbjahr einen Verlust von 400 Mio. Dollar hinnehmen. Lloyds geht dabei davon aus, dass die Schadensforderungen gegenüber den Versicherungen aufgrund der Pandemie weltweit etwa 100 Mrd. US-Dollar ausmachen werden. Diese hohe Summe ist vor allem der Komplexität des Ereignisses geschuldet, erklärt Bruce Carnegie Brown, Vorsitzender von Lloyds in einem BBC-Interview. Aber auch wenn der weltweite Verlust von dem hier gesprochen wird, hoch ist, ist er innerhalb der Grenzen der Modellannahmen, die für große Katastrophen berechnet wurden, erklärt Brown. 2017 als die USA von drei Hurricanes getroffen wurde, war der aggregierte Verlust der Versicherungsbranche ähnlich hoch. Jedoch stellt sich die Situation für die Versicherer und Rückversicherer 2020 trotzdem sehr unterschiedlich dar. „Bei großen Naturkatastrophen wie Hurricanes in den USA, ist nur eine bestimmte Art von Versicherungsgeschäft betroffen, aber mit der Pandemie sind mehr als 16 Versicherungsarten davon betroffen“, so Brown. Ein Unterschied zu 2017 liegt auch darin, dass die Investments der Versicherungen diesmal schwerer betroffen sind. Trotz dieser Probleme sieht Brown jedoch keine große Gefahr, dass Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaften durch die Pandemie in eine große Schieflage geraten. „Die Versicherer sind grundsätzlich gut mit Kapital ausgestattet und die meisten Versicherungsverträge sind mit einem Limit versehen, sodass auch wenn die Pandemie bis über 2021 anhält, die Versicherungen ab einem bestimmten Punkt aufgrund des Caps aussteigen“.
Eventabsagen belasten Versicherer
Die größten Verluste erzielte Lloyds im Bereich der Veranstaltungsabsagen. So wurde durch die politischen Maßnahmen weltweit eine große Anzahl von Sport- und Kulturveranstaltungen abgesagt. Ein weiterer großer Brocken sind die Reisestornierungen und die Betriebsunterbrechungen. Hinzu kommen noch Forderungen aus der Gesundheitsversicherungen durch Falschdiagnose während der Pandemie und schließlich Shareholder-Forderungen gegenüber dem Management von durch die Pandemie schwer getroffenen Unternehmen. Die Versicherer haben eine hohe Kapitalsumme durch die existierenden Forderungen verloren, und werden daher ihre Versicherungsleistungen anpassen und einige dieser Deckungen aus dem Markt werfen. „Das fundamentale Prinzip von Versicherungen ist die kollektive Einzahlung von vielen, die die Forderungen von wenigen zahlen. Sobald man beginnt Forderungen der vielen zu zahlen, bricht das ökonomische Modell zusammen, was dazu führt, dass diese Versicherungsdeckungen vom Markt verschwinden“, erklärt Brown den Vorgang, der sich derzeit in der Branche vollzieht. Ersetzt werden diese Versicherungen mit neuen Deckungen, um dafür zu sorgen, dass der Markt weiterhin funktioniert.