EIOPA stellt vielfältige Mängel bei IDD fest

von Mag. Christian Sec

EIOPA

Die erstmalige Untersuchung der Auswirkungen der IDD (Versicherungsvertriebsrichtlinie) durch die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA zeigt ein „gemischtes Bild“. Für eine endgültige Bewertung sei es jedoch zu früh, wie die Versicherungsbehörde mitteilte. Daher müsse man eine Neubewertung in zwei Jahren abwarten, um mögliche gesetzliche Adaptionen durchführen zu können.
Für die Untersuchung der EIOPA wurden die Behörden und Interessensverbände der Mitgliedstaaten befragt. Einige Ziele der IDD sind bislang unerreicht geblieben. So konnte die Fragmentierung des Versicherungsvertriebes innerhalb der EU bislang nicht aufgehoben werden. Noch immer ist der Versicherungsvertrieb geprägt durch unterschiedliche Vertriebskanäle, Eintragungserfordernisse und Berichtswesen. Auch das Ziel der Gesetzgebung, ein gutes Ergebnis für Versicherungsverbraucher zu gewährleisten konnte nur teilweise erreicht werden. Die Regelungen der IDD hatten auch den Effekt, dass die Konsumenten eine wachsende Anzahl von unterschiedlichen Informationen beim Kauf von Versicherungen erhielten, was auch zu einer Informationsüberlastung und Verwirrung des Kunden führte. Sich überschneidende Informationsanforderungen im EU-Rechtsrahmen zeigen laut EIOPA die Notwendigkeit, eine größere Kohärenz zu zeigen. Diese Forderung kann laut EIOPA nur durch die koordinierte Änderung bei unterschiedlichen Teilen der EU-Gesetzgebung erreicht werden. Die Einführung der IDD stellte sowohl für Vermittler als auch für Aufsichtsbehörden eine große Herausforderung dar, was Form und Zeitpunkt der Offenlegung von Informationen in einem digitalen Kontext betrifft. Auch die Integration der IDD in digitale Plattformen und Künstliche Intelligenz sind als Herausforderungen identifiziert worden. Die EIOPA stellte auch den Bedarf zusätzlicher Handlungsanleitungen für den Vertrieb fest als auch für die Aufsicht, der es an Anleitungen fehlt, die Bestimmungen überprüfen zu können.
Unterschiedliche Sichtweisen zur IDD
In den meisten Mitgliedsländern nahmen Konsumentenvertreter und Verbände der Wirtschaft die Konsequenzen der IDD unterschiedlich war. Während die Ständevertreter angaben, dass sich der Prozess des Versicherungsvertriebes verbessert habe, monierten die Konsumentenschützer, dass der Wünsche-und-Bedürfnis-Test manchmal zu formalistisch oder gar nicht existent ist und die Kunden manchmal dazu gebracht werden, ein Kästchen anzukreuzen somit die formalistischen Anforderungen erfüllt werden, was vor allem für den Online-Verkauf gilt.
Trends aufgrund der IDD-Einführung
Trotzdem die Einführung der IDD in einigen Ländern erst im vergangenen Jahr erfolgte konnte die EIOPA bei ihrer Befragung einige Trends im Versicherungsvertrieb beobachten. So sank die Zahl der Versicherungsvermittler zwischen 2016 und 2020. Mögliche Gründe sieht die EIOPA in einer Konsolidierung der Branche, dem zunehmenden Alter der Vermittler, der Neuordnung der Vertriebsmodelle sowie den strengeren berufsrechtlichen Anforderungen. Auf nationaler Ebene könnten auch die Streichungen inaktiver Vermittler aus nationalen Registern für den Rückgang verantwortlich sein. Zwar sank die Anzahl der als natürliche Personen registrierten Vermittler, im Gegensatz dazu hat jedoch die Zahl der als juristische Personen registrierten Vermittler leicht zugenommen, was laut der europäischen Versicherungsaufsicht auch auf eine Professionalisierung des Sektors hindeuten könnte. In Österreich zeigte sich sowohl ein leichter Rückgang bei den natürlichen- als bei den juristischen Personen im Vermittlergeschäft. Weitere Trends sind im Hinblick auf die Versicherungskanäle, dass der Bankenvertriebskanal eine immer bedeutendere Rolle beim Vertrieb von Lebensversicherungen spielt. Die Anzahl von Online-Verkäufen, scheint auch kontinuierlich zu wachsen, jedoch beruhen die Daten in diesem Bereich auf einer sehr geringen Datenmenge, gibt die EIOPA zu bedenken.
Schulungsintensität zu gering
Die bisherigen Aufsichtserfahrungen der EIOPA zeigen, dass Fälle mangelnder Schulung von Versicherungsvermittlern aufgetreten sind. Insbesondere gilt dies im Hinblick auf bestimmte Arten von Versicherungsprodukten, die für Verbraucher nicht leicht verständlich sind. Die EIOPA weist darauf hin, dass die Fachkompetenz der Vermittler aufgrund der fortschreitenden Produktinnovation und dem wachsenden Markt für nachhaltige Finanzprodukte in Zukunft noch mehr Bedeutung gewinnen wird.