Entwicklungsland bei betrieblicher Vorsorge

von Mag. Christian Sec

Mag. Martin Sardelic © David Sailer

Das Thema der betrieblichen Vorsorge wird von den Österreichern als wichtiger Baustein für die Altersvorsorge gesehen, wie eine repräsentative Studie des Marktforschungsinstituts Spectra im Auftrag der Valida Vorsorge Management zeigt.  Jedoch fristet die zweite Säule des Pensionssystems noch ein stiefmütterliches Dasein.

Die Corona-Pandemie zeigt klare Auswirkungen auf die Einstellung der ÖsterreicherInnen zur finanziellen Altersvorsorge. Im Vergleich zur Studie 2018 ist für 28 Prozent der Befragten finanzielle Sicherheit im Alter durch die Pandemie noch wichtiger geworden als vorher, da sie sich Sorge um die staatliche Pension machen. So gaben 68 Prozent der 1.800 Befragten ArbeitnehmerInnen an, dass sie von der staatlichen Pension alleine nicht gut leben werden können. Die Befragten halten daher die Bedeutung der betrieblichen Altersvorsorge überwiegend für wichtig. Grundsätzlich ist der Wunsch, zusätzlich zu der betrieblichen Pension Eigenbeiträge zu leisten, bei 60 Prozent vorhanden und damit um sieben Prozent höher als 2018. Würden diese Eigenbeträge auch noch staatlich gefördert werden (z.B. frei von Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflicht), könnten sich sogar 89 Prozent vorstellen, höhere Eigenbeträge zu leisten. Insgesamt hatten 40 Prozent der Befragten ArbeitnehmerInnen eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen.

Entwicklungsland Österreich

„Was die betriebliche Vorsorge betrifft nimmt Österreich laut OECD, die regelmäßig die Pensionssysteme global vergleicht, leider einen der Schlussplätze ein, und zwar nicht nur einmal, sondern regelmäßig“, so Martin Sardelic, CEO der Valida Vorsorge Management, bei der Studienpräsentation. Und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Einerseits in der Anzahl der ArbeitnehmerInnen, die überhaupt die Chance haben in eine solche betriebliche Vorsorge einbezogen zu sein, als auch in den Assets, die in der zweiten Säule veranlagt sind im Verhältnis zum BIP. „So gut es uns sonst geht, haben wir im Bereich der betrieblichen Vorsorge einen Entwicklungslandstatus“. Nichtsdestotrotz müssen wir versuchen, die zweite Säule in Österreich zu fördern, schon allein deswegen, weil die erste Säule so viel Last tragen muss, fordert Sardelic. Aufgrund der Verschuldung durch die notwendigen Geldspritzen gegen die Pandemie, wird es deutlich höhere Defizite geben und daher wird es für die staatlichen Pensionen noch enger werden, befürchtet Sardelic. „Und das Bewusstsein der ÖsterreicherInnen ist schon auch da, dass sich unter den Rahmenbedingungen das Thema Pension nicht positiv entwickeln wird, sondern im Gegenteil“, wie die Studie zeigt.

Konkrete Forderungen an die Politik

„Wir hoffen, dass unsere langjährige Forderung nach der Einführung des Exempt-Exempt-Taxed Prinzips bald auf offene Ohren seitens der Politik stößt“ so Sardelic. Demnach soll es keine Versteuerung in der Einzahlungsphase, keine Versteuerung in der Veranlagungsphase geben, sondern erst in der Leistungsphase zu einer Versteuerung kommen. „Dem Staat entgehen in diesem Szenario zwar Steuer-Einnahmen in der Einzahlungsphase, langfristig entstehen aber Mehreinnahmen durch Versteuerung in der Leistungsphase und höhere Kaufkraft der Pensionisten“, so Sardelic. Jedoch gesteht Sardelic auch ein, dass die Bereitschaft diesbezüglich von Seiten der Politik im Moment eher gering ist. Eine zweite Forderung an die Politik ist die eines Generalpensionskassenvertrags. „Hier sehe ich die Chance, dass wir kurzfristiger etwas erreichen“, so Sardelic“. Solch ein Vertrag würde es Menschen, deren Arbeitgeber keinen Vertrag mit einer Pensionskasse abgeschlossen hat, ermöglichen, ihre Abfertigung beim Pensionsantritt an eine Pensionskasse zu übertragen. Auf Basis der Digitalisierung bringt es mittlerweile auch Vorteile für Kunden als auch für das Unternehmen, weil der Verwaltungsaufwand sehr zurückgeschraubt werden konnte, betont Sardelic. Eine weitere Forderung ist die verpflichtende Aufnahme von Pensionskassenlösungen in die Kollektivverträge. „Wir haben dabei die Hoffnung, dass wir in den nächsten Jahren bei diesem Thema Bewegung hineinbekommen, weil es ein deutlicher Hebel für den Ausbau der zweiten Säule wäre“, so Sardelic.