Erhöhte Cyberkriminalität – Bewusstsein stärken

Erhöhte Cyberkriminalität – Bewusstsein stärken

Während des „Social Distancing“ und Home-Office rückten der Gesundheitssektor und seine Daten stärker in den Fokus von Kriminellen. „Aus der Masse an Daten stechen die Gesundheitsdaten besonders heraus. Diese sehr persönlichen und besonders sensiblen Daten sind durch diese Eigenschaften von unschätzbarem Wert“, so ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres. Dieser große Wert mache die Daten aber auch besonders begehrt bei Cyberkriminellen. Auf der anderen Seite bedeuten die Gesundheitsdaten auch einen riesigen Datenschatz, sagt Szekeres. „Big Data, also die Auswertung von riesigen Datenmengen, hat das Potenzial, die Suche nach einem Medikament oder einem Impfstoff gegen COVID-19 erheblich zu beschleunigen. Eine internationale Verknüpfung von Gesundheits- und Medikamentendaten kann ein wichtiger Schlüssel sein, um der vorherrschenden Pandemie ein Ende zu setzen“, so der ÖÄK-Präsident. In den Zeiten der Krise hätten Cyberkriminelle vor allem den Gesundheitssektor als lohnendes Ziel entdeckt, stellt Philipp Amann, Leiter der Strategieabteilung des European Cybercrime Centre von Europol fest. Die COVID-19-Krise sei rasch missbraucht worden, um Phishing-E-Mails zu verbreiten, um mit neuen Betrugsmaschen basierend auf der Krise Geld zu machen oder Websites aufzusetzen, um gefälschte oder minderwertige Produkte wie Gesichtsmasken, Corona-Testkits oder Arzneimittel zu verkaufen. Einige Kriminelle seien mittlerweile auch dazu übergegangen, den Betroffenen mit der Veröffentlichung der gestohlenen Daten zu drohen. In so einem Fall empfiehlt Amann die Ermittlungsbehörden zu kontaktieren und nicht einzuzahlen. Cornelius Granig, Leiter des Bereichs Cyber Security und Krisenmanagement beim Beratungsunternehmen Grant Thornton Austria, unterstrich, dass im Gegensatz zum Finanzbereich, die Vertraulichkeit von Gesundheitsdaten, die unwillentlich öffentlich gemacht werden, für immer verloren. „Betroffene können dafür zwar einen Schadenersatz erhalten, die Veröffentlichung kann allerdings nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Sollte ein Angreifer überdies in der Lage sein, Gesundheitsdaten zu manipulieren, könnte er wesentlichen Einfluss auf Therapieentscheidungen und auf die Gesundheit von Patienten haben“, sagt Granig. Ein neues, aber sehr wichtiges Feld sei auch der Bereich der mobilen Gesundheits-Apps. Ein gestohlenes und danach gehacktes Smartphone könne somit sehr viele Informationen über den Gesundheitszustand des Nutzers preisgeben. Laut Grandits außerdem wichtig sei, dass Anbieter von Gesundheitsdiensten eine regelmäßige Überprüfung der Sicherheit ihrer Computersysteme, Applikationen und Sicherheitsprozesse durchführen und ihre Systeme modernisieren sollen, damit eine Organisation nicht auf diesem Weg von Ransomware befallen werden kann. Die bis Ende Februar 2021 angebotene Investitionsprämie sei ein Anreiz, bereits geplante oder neue Digitalisierungsprojekte umzusetzen.