Globales Geldvermögen wächst trotz Corona-Krise

Allianz Versicherung

Das globale Geldvermögen verzeichnete trotz COVID-19-bedingter Rezession der Weltwirtschaft im ersten Halbjahr einen leichten Anstieg um 1,5 Prozent. Dies geht aus dem aktuellen Allianz Global Wealth Report hervor, der alljährlich Geldvermögen und Verschuldung der privaten Haushalte in fast 60 Ländern analysiert. Zu verdanken sei dies den geld- und fiskalpolitischen Hilfspaketen der Zentralbanken und Finanzbehörden auf der ganzen Welt, die das Vermögen der Haushalte vorerst vor dramatischeren Folgen der Krise bewahrte. Haupttreiber der Entwicklung sind die Bankeinlagen, die dank großzügiger öffentlicher Unterstützungsprogramme und vorsorglicher Ersparnisbildung um kräftige 7,0 Prozent zunahmen.

„Im Moment hat die Geldpolitik die Lage gerettet“, erklärte Ludovic Subran, Chefökonom der Allianz, anlässlich der Veröffentlichung des Reports. „Aber wir sollten uns nichts vormachen. Null- und Negativzinsen sind ein süßes Gift. Sie untergraben die Vermögensbildung und verschärfen die soziale Ungleichheit, da Vermögenseigentümer satte Mitnahmegewinne einstreichen können. Das ist nicht nachhaltig. Den Tag zu retten ist nicht dasselbe wie die Zukunft zu gewinnen. Dafür brauchen wir mehr denn je Strukturreformen nach COVID-19, um die Grundlagen für ein inklusives Wachstum zu schaffen“, so Subran.

Österreich: 10er-Jahre endeten mit Rekordwachstum
„In Österreich, das nach wie vor auf Rang 16 der reichsten Länder der Welt steht, wuchs das Geldvermögen der Haushalte in den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres um 0,5 Prozent“, berichtet Martin Bruckner, Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich. Zuvor hatte das vergangene Jahrzehnt mit einem Rekordwachstum geendet. „2019 stieg das Brutto-Geldvermögen hierzulande um 6,2 Prozent, etwas überraschend getrieben von Versicherungen und Pensionen, die um 7,9 Prozent zulegten, sowie Wertpapieren (+ 7,4 Prozent). Des Österreichers liebstes Kind, die Bankeinlagen mit einem Portfolioanteil von 41 Prozent, wuchs wie in den Vorjahren konstant um 4,2 Prozent“, so Bruckner. Auch das Nettofinanzvermögen erhöhte sich um 7,3 Prozent, so stark wie schon seit 2009 nicht mehr. Die Verbindlichkeiten stiegen im Vorjahr indes um 3,3 Prozent und damit einen Prozentpunkt über dem langjährigen Durchschnitt. Von einem Kreditboom ist Österreich dennoch weit entfernt: Die Schuldenquote verharrte bei 50 Prozent und wird in Europa nur noch von Irland unterboten.

2019: Internationales Boomjahr in allen Anlageklassen
Auch international markierte das Jahr 2019 den Höhepunkt des Wohlstands. „Weltweit stieg das Brutto-Geldvermögen um 9,7 Prozent, trotz sozialer Unruhen, eskalierender Handelskonflikte und industrieller Rezession“, berichtet der Allianz Vermögensreport. Als die Zentralbanken einen Kursschwenk hin zu einer breit angelegten geldpolitischen Lockerung vollzogen, führte dies zu einem kräftigen Plus von 25 Prozent der Aktienmärkte, losgelöst von den Fundamentaldaten. Letztlich verzeichneten 2019 alle Anlageklassen ein Wachstum, das deutlich üWachsendes Wohlsber dem langjährigen Durchschnitt seit der Finanzkrise lag. Allerdings macht der Vermögensreport auf ein Faktum aufmerksam: Nicht die Schwellenländer dominierten im vergangenen Jahr das Vermögenswachstums-Ranking, sondern Nordamerika und Ozeanien. Die Reichen wurden also reicher, der Aufholprozess ärmerer Länder geriet ins Stocken.

Wachsendes Wohlstandsgefälle
Während sich das Wohlstandsgefälle zwischen reichen und armen Ländern wieder vergrößerte, sank die Zahl der Mitglieder der globalen Vermögensmittelklasse innerhalb eines Jahres von über 1 Milliarde auf knapp 800 Millionen Menschen. 1 Prozent der Menschen besitzt nun knapp 44 Prozent des gesamten Geldvermögens, die reichsten 10 Prozent kommen auf 84 Prozent des vorhandenen Vermögens. „Es ist ziemlich beunruhigend, dass sich die Kluft zwischen reichen und armen Ländern wieder vergrößert hat, noch vor COVID-19″, heißt es im Allianz Report. Denn die Pandemie werde sehr wahrscheinlich die Ungleichheit weiter steigern, da sie nicht nur einen Rückschlag für die Globalisierung darstellt, sondern auch das Bildungs- und Gesundheitswesen, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen, erschüttert.