Versicherungsmakler in den 90-er Jahren

von Mag. Christian Sec

Fortsetzung:
In den Jahren danach professionalisierte sich langsam der Berufsstand und lernte zu gehen. Mittendorfer erklärt, warum: „Teils dadurch, dass die Versicherungsunternehmen die Bedingungen für ihren Außendienst professionalisierten bzw. Aufbauzulagen etc. einschränkten verließen viele Versicherungsvertreter ihre Gesellschaften und wurden Agenten oder Makler. Die Zahl der Makler wuchs atemberaubend. Mit dieser steigenden Vertriebskraft wurden die „Externen“ – bis heute vielsagend meist noch immer „alternativer Vertrieb genannt – auch für die Versicherungsunternehmen immer wichtiger.“ Auch die Öffnung der Grenzen für den Kapitalverkehr durch den Eintritt in die Europäische Union war für die Akzeptanz des Versicherungsmaklers von großer Bedeutung. Es war wie ein „Boost“ für den Beruf, erklärt Mittendorfer. „Plötzlich gab es zum Teil deutlich bessere Angebote aus Deutschland (und anderen Ländern) und der Makler konnte deutlicher als je zuvor reüssieren“. Eine rechtliche Verbesserung erhielt der Versicherungsmakler durch die Einführung des Maklergesetzes im Jahre 1996, das z. B. auch den Provisionsanspruch regelte (siehe Kasten). Aber es entstanden auch Baustellen, an denen bis heute herumgewerkelt wird. So wird seit den 90-ern auch am Maklerdatensatz gearbeitet, so Mittendorfer. „Kein 30-jähriger Krieg, aber ein 30-jähriges Hängen und Würgen.“ Natürlich ist es für die Versicherungsunternehmer leichter (und wünschenswerter) perfekte IT-Lösungen für den eigenen Außendienst zu schaffen als perfekte Schnittstellen für Makler und Mehrfachagenten. Brauchbare IT-Lösungen sind aber unverzichtbar geworden – und weil sehr teuer, auch ein wesentlicher Treiber der ständig wachsenden Maklervereinigungen“, so Mittendorfer.

Zeitsprung
2010 war die IT bereits wesentlicher Schlüssel in der Maklerbranche geworden, um den Kundenbestand laufend zu betreuen und mit Neuigkeiten zu versorgen. „Hier setzen auch die Maklerzusammenschlüsse, Plattformen und Ähnliches an, um den kleinen Maklerbüros die Arbeit erleichtern zu können“, erklärte Thomas Bayer, Leiter der unabhängigen Vertriebe in der Generali, eine Position, die er heute noch ausfüllt, in einem risControl-Interview zu dieser Zeit. 2010 war der Versicherungsmakler auch in Ruf und Ausbildung nicht mehr mit dem des Maklers von anno 1980 gleichzusetzen. „Dass der Makler seinen Beruf ernst nimmt, einen Markt darstellt und aufgrund seiner Berufsgrundlagen auch dafür geradesteht ist in den Köpfen der Kunden zwischenzeitlich, glaube ich, sehr gut gefestigt, erklärte dazu 2010 Franz Wagner von der Wagner Versicherungsmakler GesmbH in einem risControl-Interview. Das Berufsbild jedoch hatte sich für Wagner, der seit 1981 als Versicherungsmakler tätig war, seit den 1980er-Jahren jedoch nicht geändert. „Es wurden durch die Legislative strengere Richtlinien geschaffen, aber ein Makler, der verstanden hat, für seinen Kunden da zu sein, und den Grundsatz des Best Advice zu leben, hat immer für sich selbst eine ganz klare Zielsetzung gehabt, so Wagner im Jahre 2010. Ein Grundsatz also, der wohl auch für das Jahr 2021 Gültigkeit hat. Lesen Sie mehr: